Viermal Bundesliga, einmal Champions League. In insgesamt fünf Spielen ging es zweimal von Beginn an und jeweils kam es dann zur Auswechselung. Ansonsten drei sporadische Einsätze so ab der 70. Minute. Ein Spiel davon gut bzw. perfekt, die anderen nicht schlecht, aber eher so lala, gemessen an der horrenden Summe, die ihn floss. Klingt jedenfalls erstmal nicht nach dem teuersten Transfer der Bundesligageschichte.
So in etwa könnte der Beobachter und ja auch der gemeine Neidhammel die bisherige Einsatzzeit von Javi Martínez beurteilen. Hält man sich aber vor Augen, dass der 24-jährige Spanier in ein ihm völlig fremdes Umfeld kommt und eine andere Sprache spricht, stellen die auf dem Feld miterlebten 190 von 450 möglichen Spielminuten eine vorbildliche, behutsame Zeit der Eingewöhnung dar. Das kann zwar auch auf Anhieb schon gut funktionieren, wie u.a. bei Shinji Kagawa in seiner ersten Saison beim BVB gesehen, oder ganz aktuell auch Hiroshi Kiyotake in Nürnberg – beide kamen aus Japan und zeigten sich von Beginn an belebend und fern von Integrationsschwierigkeiten. Aber das muss nicht immer so sein: von Kaka zum Beispiel hatte man sich (insgesamt, aber vor allem) 2009 in seiner ersten Saison bei Real Madrid wahrscheinlich mehr versprochen. Und der war bekanntlich einst Weltfußballer des Jahres. Außerdem – und so arrogant das auch immer klingen mag – gibt es da tatsächlich diesen gewissen Unterschied, ob du neu beim »Glubb« bist und zu Beginn praktisch von jedem Druck befreit, weil eine ganz andere Erwartungshaltung vorherrscht, oder ob du eben den meistens ja doch auf drei Hochzeiten tanzenden FC Bayern entscheidend weiterbringen sollst. Jupp Heynckes zeigt hier das erforderliche, aber dennoch irgendwie bemerkenswerte Fingerspitzengefühl und lässt sich trotz aller Begleitumstände nicht von seinen Prinzipien abbringen.
Javi Martínez hat selbst in seiner noch überschaubaren Spielzeit schon aufblitzen lassen, dass er die Verstärkung werden kann, die man sich so erhofft, an ihm zu haben. Neben spektakulär anzuschauenden, meistens fairen, eingesprungenen Grätschen tut er auch dem Offensivspiel gut. Er deutete an, dass an der ihm unterstellten hervorragenden Spielübersicht, »dem Lesen des Spiels«, etwas dran sein muss, bereitete ein Tor bereits vor und nähert sich dem ersten eigenen Torerfolg Stück für Stück an. Und ebenso wie Schweinsteiger von einem starken Mann zu seiner Rechten profitiert, wird umgekehrt auch Martínez von Schweinsteiger profitieren, über den er in den höchsten Tönen spricht. Wenn sich das langfristig bestätigt, kann der große Gewinner nur Bayern München heißen. Ein Rückblick auf seine ersten fünf Spielen stimmt also durchaus zuversichtlich und das häppchenweise Servieren der in diesem Umfang nie dagewesenen, ja maßlos überteuerten, vor allem aber richtigen und so sympathischen Transfersensation ist absolut angebracht.


28/09/2012 @ 14:51
Erwähnenswert finde ich seine überragende Passgenauigkeit. Im Spiel gegen Wolfsburg hat Reif es zwischendurch erwähnt, aber es war auch schon vorher auffällig: Martinez spielt nahezu keine Fehlpässe.
28/09/2012 @ 15:32
Stimmt, das hätte ich erwähnen sollen. Gegen Wolfsburg war es in etwa die 40. Minute, wo er seinen ersten Fehlpass spielte. Ich habe danach nur einen weiteren gesehen. Das ist schon erstaunlich und Sicherheitspässe waren das nicht alle.