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Anschauungsunterricht in Sachen mannschaftlicher Einheit

Für gewöhnlich sind die Gruppenspiele der Champions League eher ein Anheizer für das, was dann folgen soll. Nicht so am gestrigen Tag. Gegen Manchester City erlebte ich erstmals schon in einem Hinspiel in der Gruppe so etwas wie K.O.-Phasen-Stimmung. Anders auch, als im alles entscheidenden Spiel gegen Juventus Turin, in dem die Mannschaft ihre erfolgreiche Ära unter Louis van Gaal wohl einleitete. Gestern ging es auch ein Stück weit darum, der neuen Fußballwelt zu zeigen, dass man auch ohne milliardenschwere Investoren oder Kredite bzw. Schulden in schwindelerregender Höhe mithalten kann. Aber nur so viel dazu, ich bin keiner dieser “Gegen den modernen Fußball”-Protestierer und akzeptiere das, was gegeben ist. Manchester City ist außerhalb der eigenen Fanschar vielleicht noch etwas unbeliebter, als der FC Chelsea seinerzeit, der durch Roman Abramovich vor einigen Jahren von jetzt auf gleich zur großen Nummer in England wurde. Auch Chelsea verpflichtete viele Stars und machte (und macht) etliche Millionen locker, aber mir sah das immer etwas überlegter aus, als nun bei ManCity.

Wie dem auch sei, wir müssen mit dem leben, was wir haben und zum Weltfußball gehören diese steinreichen Teams, Milliardärsspielzeuge, heute nun mal dazu. Eigentlich bin es langsam auch leid, vor jedem Gegner zu schreiben “das wird die erste größere Herausforderung für die Bayern”. Das kann man jetzt auch getrost sein lassen, denn:

  1. war Manchester City tatsächlich der lang erwartete erste Gegner, der (anfangs) voll dagegen hielt.
  2. haben es die Bayern geschafft, wenn auch anfangs glücklich, auch damit fertig zu werden.

In der ersten Halbzeit gelang es den Gästen sogar, das Spiel über die ersten 30 Minuten zu bestimmen. Die Bayern wirkten noch unsortiert, sicherlich auch dem Ausfall Badstubers geschuldet, der bislang jedes Spiel mitmachte. Sie wurden ein bisschen hinten rein gedrängt und waren vielleicht sogar überrascht, wie “hoch” Manchester stand. Die Abwehrreihe fand sich bei eigenem Angriff etwa an der Mittellinie ein. In Ballführung wurden die Bayern schon im Aufbau gestört, wurden schon weit in der eigenen Hälfte unter Druck gesetzt. Dabei wirkten sie aber durchweg ballsicher, was mich stark beeindruckt hat. Wer selbst mal spielt, weiß, wie schwer das ist, auf engstem Raum unter Attacke den Ball zu behaupten und schnell hin und her zu spielen. Das haben sie gestern großartig gemeistert. Glück hatte man früh in der ersten Halbzeit, als Jerome Boateng sich in gleich zwei Szenen kaum hätte beschweren können, wäre Elfmeter gegen ihn gepfiffen worden. Im Anschluss gab er zu, dass die erste Szene von ihm auch mit Strafstoß bewertet worden wäre, die zweite jedoch nicht. So oder so, mit einem Elfer in der dritten Minute hätte das Spiel wahrscheinlich anders ausgesehen.

Die beiden Treffer von Mario Gomez in der 38. Minute und vor allem der in der Nachspielzeit der ersten Hälfte waren spürbar der Genickschuss für die “Citizens”. In der zweiten Halbzeit kam nicht mehr viel und nach der Herausnahme von Edin Dzeko noch viel weniger. Groß war die Überraschung, als Trainer Mancini bei Rückstand mit Dzeko einen Stürmer auswechselte und mit Nigel de Jong einen defensiven Mittelfeldspieler brachte. Ergebnis halten? Als ambitioniertes Team, das hier gewinnen wollte? Das sah für alle erstmal aus, wie der symbolische Handtuchwurf, lag aber wohl daran, dass Carlos Tevez die Spielteilnahme verweigerte. Tevez, der schon als Kapitän für Manchester City spielte, hat damit für einen unfassbaren Skandal gesorgt. Für Mancini sei das Thema Tevez damit erledigt, unter ihm werde der Argentinier kein einziges Spiel mehr bestreiten, so der Trainer anschließend auf den Vorfall angesprochen. Sky-Reporter Sebastian Hellmann verriet, dass Nigel de Jong sogar zugab, dass kein Spieler zu Manchester City käme um Titel zu gewinnen. Es ginge nur um das Geld. Wenn ich es richtig gedeutet habe, signalisierte Edin Dzeko seinem Trainer bei seiner Auswechselung mit einem nicht unbedingt anerkennend gemeinten Daumenhoch, was er von dieser Entscheidung hielt. Da staunt man, was bei einer “internationalen Spitzenmannschaft” so los ist. Geld mag Tore schießen, aber wenn man konzeptlos nach prominenten Namen kauft (wirkliche Kategorie-1-Spieler wird man bei Manchester City zudem kaum finden) und die Millionen nur so verschleudert, bekommt man noch lange keine funktionierende oder gar harmonierende Mannschaft zusammen. Daran wird Trainer Mancini scheitern, da lege ich mich fest. Und Jerome Boateng hat alles richtig gemacht.

Bei all der Verwunderung über die Zustände beim geschlagenen Gegner darf natürlich nicht vergessen werden, wie hervorragend die Bayern gestern dieses mit großer Spannung erwartete Spiel gewonnen haben. Auch wenn die Führung glücklich wirkte, so ist das Ergebnis über die gesamte Spielzeit gesehen absolut gerechtfertigt. Franck Ribery machte eines der besten Spiele seiner Karriere, was ich einfach mal so behaupte. Viel besser geht es nicht mehr und das selbst ohne statistische Torbeteiligung, auch wenn das 1:0 von ihm ausging. Kein einziger Spieler blieb gestern hinter den Erwartungen zurück. Das war eine imposante Demonstration mannschaftlicher Einheit. Und diese Demonstration traf doch den genau richtigen Gegner für eine solche Veranschaulichung.

Und anstatt wie etwa Marcel Reif akribisch mitzuzählen, wie viele Schüsse Manuel Neuer in dieser Saison bislang abzuwehren hatte und anstatt dauernd auf einen wirklich starken Gegner zu warten, erfreue ich mich einfach an dieser grandiosen Phase des FC Bayern. Das ist mächtig beeindruckend, was hier im Moment geboten wird und wegen mir darf es noch lange so weiter gehen.

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