Als gestern durchsickerte, dass im Abschlusstraining Claudio Pizarro mit der ersten Mannschaft trainierte, sorgte das schon für Überraschung unter den Fans im Internet. Ausgerechnet vor dem ersten Spiel in der Champions League wurde Mario Mandzukic, der bis dahin in jedem Spiel getroffen hatte, aus der Mannschaft genommen. Ebenso Thomas Müller, der in der Liga schon auf stolze drei Tore und drei Torvorlagen kommt.
Gegenüber dem letzten Spiel gegen Mainz rückten neben Pizarro auch Franck Ribéry, Arjen Robben und Javi Martínez in die Startelf. Die vier personellen Veränderungen konnten dem gewohnten Bayernspiel mit viel Ballbesitz – zwischenzeitlich wurde ein Wert von 65:35 % eingeblendet – aber nichts anhaben. Die Bayern bestimmten das Spiel, Valencia war im Grunde genommen nur in der eigenen Hälfte zu sehen. Leider fehlte es den Bayern vor dem Tor an Durchschlagskraft, all die schönen Spielzüge verpufften irgendwo vor dem oder im Strafraum. Das 1:0 durch Bastian Schweinsteiger in der 38. Minute war von den Spielanteilen her zu diesem Zeitpunkt schon lange überfällig.
Spielerisch gefielen mit vor allem Dante und Holger Badstuber enorm gut. Dante halte ich ohnehin für eine ganz hervorragende Verstärkung für die Bayernabwehr, die leider häufig ein bisschen untergeht, weil Martínez so viel Geld gekostet hat, Mandzukic so regelmäßig Tore schießt und Shaqiri mit seiner erfrischenden Art auch schnell Thema ist. Ein regelrechter Sympathieträger ist Dante obendrein. Häufig im Zusammenspiel mit Badstuber wurden Abwehrsituationen gestern Abend gekonnt spielerisch gelöst, eine bemerkenswert sichere Spielgestaltung begann daraufhin schon im Abwehrverbund. Zudem war das Spiel für meine Begriffe links erheblich lebhafter als auf der rechten Seiten, was zum einen daran lag, dass Arjen Robben auf der rechten Außenbahn im Sinne der neuen Mannschaftsdienlichkeit wohl offensiv etwas unauffälliger ist und zum anderen daran, dass Holger Badstuber sich als Linksverteidiger mehr und mehr auch vorne anbietet und für weitere Gefahr neben dem sehr spielfreudigen Franck Ribéry sorgte. Ribéry musste leider zur Pause ausgewechselt werden. Auch Toni Kroos gefällt mir im Moment sehr gut, ist auf der Zehn auch entschieden besser aufgehoben als dahinter im zentralen Mittelfeld.
Ein paar Dinge allerdings haben mir gestern weniger gut gefallen. So zum Beispiel die Tatsache, dass Manuel Neuer, wie schon im Spiel gegen Mainz, bei einem Gegentor unmittelbar nach dem Sprung ins Leere als erstes darauf bedacht ist, schnell den Ball zu sichern, so dass dieser bloß nicht einigermaßen zügig zum Wiederanpfiff auf dem Punkt liegen kann und die Mannschaft des Anschlusstreffers das Momentum weiter nutzen kann. Wie auch regelmäßig zu beobachtendes Zeitspiel werte ich das noch ein bisschen als »(u.a.) auf Schalke gehandhabte Unsportlichkeiten«, die es einfach abzustellen gilt. Ich weiß nicht, ob ich durch die Bayernbrille betrachtet zu dieser Einschätzung komme, aber diese schlechten Angewohnheiten zeigen doch wohl die Gegner, nicht die Bayern. Das gehört sich nicht, das ist auch keinesfalls erforderlich und mit Fair Play hat das schon gar nichts zu tun.
Auch schade war, dass Teile der eigenen Fans in der Südkurve wieder nach Aufmerksamkeit gierten und durch gemeinschaftliches Fernbleiben der Partie auf dafürgehaltene Missstände in der Stadionpolitik hinweisen wollten. Aufgrund der in der Champions League gebotenen Sitzplatzregelung und damit einhergehendem Platzmangel gegenüber anderen Spielen, durfte man nicht in üblicher Anzahl in den Block und protestierte. Ist vielleicht nicht unbedingt das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn es gilt, die Mannschaft in der neuen Saison nach dem bitteren Finale vor vier Monaten »auf ein Neues« nach Kräften zu supporten. Aber gut, der selbsternannte harte Kern der Südkurve, die Stimmungsverantwortlichen, wie sie sich nennen, hat schon häufiger gezeigt, dass man im Fußball völlig normale Dinge – sagen wir mal – kontrovers angehen kann. Das praktizierte Einschmuggeln von Fans ohne entsprechende Karte wird nicht dadurch richtiger, dass man es seit Jahren unter zugedrücktem Auge tun kann. Wenn Nachbars Nachwuchs bei Friedhelm im Kiosk dauernd Kaugummis klaut, aber Friedhelm aus Gutmütigkeit bislang weder Eltern noch Polizei verständigt, macht es das Vergehen schließlich auch nicht richtiger.
Außerhalb dieser Fankreise bleibt unterm Strich eine gewaltige Menge an Fußballfans übrig, die abermals gerechtfertigten Anlass hat, sich über Bayernfans kritisch auszulassen. Wie man liest, haben die boykottierenden Fans aber erreicht, was sie wollten – sie sind aufgefallen. Und das ist ja auch die Hauptsache, wenn der Herzensverein nach ganz, ganz schwarzer Stunde wieder in der Champions League antritt: negativ aufzufallen und für die eigenen Wehwehchen den Verein hinten anzustellen. Toll! Nicht.
Abschließend noch der Hinweis auf die Presseerklärung des FC Bayern zu den leer gebliebenen Plätzen und den getroffenen Sicherheitsmaßnahmen.

20/09/2012 @ 12:12
>>(u.a.) auf Schalke gehandhabte Unsportlichkeiten<<
Hier musste ich herzhaft lachen. Zum einen, weil ich den Spruch an sich witzig finde, zum anderen wenn er im Zusammenhang mit dem Fc Bayern fällt.
Ich denke, jeder Verein hat seine Zeitspieler in seinen Reihen. Oder Leute, die andauernd einen Schwächeanfall erleiden und umfallen, sowie Arjen Robben.
20/09/2012 @ 12:19
Man hat gestern schon beeindruckend gesehen was für ein Eventpublikum wir bald haben werde. Totenstille die meiste zeit, mal paar unkoordinierte fangesänge wobei nach dem 8 “steht auf wenn ihr bayern seid” die hälfte genervt sitzen bleibt. Dann geht jeder fangesang nach 5 sekunden im lärm der tollen klatschpappen unter. Wenn es das ist was der vorstand will – bitte.solln sie jedes spiel die dinger auslegen ubd wir unterscheidennuns überhaupt nichtmehr vom opern ubd event publikum in madrid und barcelona. Oder aber der verein registriert eie wichtig die fans sinfd (die nicht nach 80 minuten in schaaren das stadion verlassen ) und stellt sich endlich mal auf die seite der aktiven und nimmt die anliegen ernst.
20/09/2012 @ 12:20
@tinneff: Ich mag das auch nicht, wenn Robben und Ribéry bei kleinen Tackles achtzig Meter weit über den Platz rollen und man sich beim Anblick dieses Schreckens ob der Weiterführung ihrer sportlichen Karrieren ernsthafte Gedanken machen muss. Und natürlich ist das auch unfair, weil es nur die Kartenvergabe beschleunigen soll und es ist überhaupt schwachsinnig. Aber es wäre mir neu, dass der FC Bayern darüberhinaus für seine gehörige Unsportlichkeit bekannt wäre. »herzhaft lachen [...] im Zusammenhang mit dem Fc Bayern« kann ich insofern weniger verstehen. Kartenstatistiken dürften das auch schnell belegen.
20/09/2012 @ 13:32
Gebe dem Daniel da Recht. Gehe seit 1988 zum FCB und seit 2005 in die Arena. Habe bis auf 3-4 Spiele alle in der Arena gesehen. So was bitteres was wir gestern Abend erleben mussten, darf es nicht mehr geben. Wie oft hat die ach so böse Südkurve bewiesen, dass sie der 12.Mann sind. Wir brauchen unsere Stimmungsmacher und sollten alles dafür tun kein 100% Eventpublikum zu haben. Das wäre der Untergang…Finde es auch immer wieder erstaunlich das heute schon einige Kommentare von “Fans” im Internet zu lesen sind, die vielleicht 1-2 Spiele im Jahr besuchen und eigentlich keine Ahnung haben und nur den Medien nachplappern…Traurig!
20/09/2012 @ 14:08
Die Stimmung war auch im Fernsehn gespenstisch. Vermutlich ist der FCB endlich da, wo ihn die Fußballfans in Deutschland sehen. Aufgelöst zwischen Kohle, Operettenpublikum und Langeweile. Ich hab nach kurzer Zeit auf den Videotext umgeschalten. Der war mitreissender.
Sorry, aber da läuft einiges komplett verkehrt, wenn das Fehlen von 400 Leuten auch den letzten kleinen Rest Stimmung aus der AA radiert.
20/09/2012 @ 16:36
Ich war selbst einmal Kurvenfan mit Fahne, jetzt im Alter sitze ich halt und ich glaube, da gibt es einen Kern, der sich selbst viel zu wichtig nimmt. Diese Gruppe möchte über die Transferpolitik mitbestimmen, hat fast jede Woche eine neue pseudosportpolitische Botschaft auf Transparenten dabei und versucht sich in Dinge einzumischen, von denen sie viel zu wenig versteht. Dann tut sie auch noch so, als sei sie die Stimme der Fans, dabei ist es eine Minderheitengruppe. Da kann man ja noch drüber wegschauen, aber das Schlimmste ist, dass diese Gruppe im Zentrum der Südkurve steht, nur leider gar kein Interesse an einer Stimmung im Stadion hat, und auch nicht aufs Spiel reagiert. Diese Leute feiern sich selbst in ihrem eigentümlichen Singsang, statt die Mannschaft anzufeuern und statt den Rest der Fans im Stadion zum Mitanfeuern zu animieren. Mein Vorschlag: macht die Plätze frei, gebt anderen die Chance es besser zu machen. Ein neuer Vorsänger, ein harter Kern zum Ansingen, Schlachtgesänge die auch manchmal die Sitzplatzfans mitmachen und schnell ist viel mehr Stimmung in der Bude, als ihr euch alle vorstellen könnt und als die Gruppierung je zustande gebracht hat.
20/09/2012 @ 17:43
@hanns: Ganz ähnlich denke ich auch darüber, auch wenn man besagten Fans mit »gar kein Interesse an einer Stimmung im Stadion, und auch nicht aufs Spiel reagiert« vielleicht schon etwas Unrecht tut. Schade ist nur, dass es keine Emporkömmlinge gibt, die an Abenden wie dem gestrigen sagen, »So, und jetzt machen wir hier mal Dampf«. Dass es in der Arena enorm laut werden kann, wurde vor allem in der Champions League schon gezeigt. Und weitaus schlimmer als gestern fand ich die Atmosphäre übrigens beim Spiel gegen Stuttgart, wo es 6:1 steht und eine Totenstille herrscht, dass du Gänsehaut kriegst. In 99 von 100 Stadien würde man »Oh, wie ist das schön« hören oder zumindest irgendwas. In der Allianz-Arena aber, da scheint der Genießer zu schweigen.
20/09/2012 @ 23:19
Ja wie soll man den auch mehr als 2 Spiele besuchen, wenn man kaum Karten bekommt.
Und wie soll ich dann bitte einen Block animieren, wo du keine Sau kennst. Is ja net so, dass man wie früher mal kurz mit 10 Kumpels in Oly fährt, an der Tageskasse 10 Karten kauft und dann geschlossen ein Spiel feiern kann. So kommen halt viel Einzelkämpfer und auch normale Besucher zu einem Spiel. Warum auch nicht?
Und dann sitzt du da und hoffst, dass eben die paar “Spinner” in der Kurve, die eben geschlossen zu Veranstaltung kommen können für wenig Geld, die Budde anstimmt. Aber dann liest du Plakate und wunderst dich warum die mit dem Rücken ihren geliebten Verein anschauen und nix machen.
Und selbst die Gruppen in der Nordkurve vermögen das nicht anzustimmen. Aber du sollst das dann machen. Der Papa neben dir. Und wenn das nicht klappt, dann ist das ein Scheisspublikum. Dich eingeschlossen. Danke.
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21/09/2012 @ 15:03
Zum Thema Ballsperren nach Gegentor:
Klar ist es vielleicht nicht die feine Englische. Habe aber mal mitbekommen, dass laut offiziellem Reglement nach einem Tor die kassierende Mannschaft das Recht auf den Ball hat, nicht die erzielende Mannschaft. Also hat der Stürmer keinen Anspruch darauf den Ball zu verlangen und ihn so schnell wie möglich an den Anstoßpunkt zu tragen. Der Schiedsrichter muss nur schauen, dass sich die vorne liegende Mannschaft nicht übermäßig Zeit lässt mit dem Wiederanstoß.
Zum Thema Südkurve halte ich es eher mit folgendem Artikel: http://www.fankultur.com/blog/rotstift/item/687-kein-protest-ist-auch-eine-botschaft