Es war etwa 22:20 Uhr. Bei uns im Wohnzimmer. Die Augen mittels Sky auf die etwa 600 Kilometer entfernte Allianz Arena in München gerichtet. Drei Mann schreien laut “Ja” bzw. “Tor”, meine Frau schaut uns dabei eher verständnislos zu und der Hund springt hoch vor Schreck. Oder vor Freude? In der Nachspielzeit, wahrscheinlich wäre es auch der letzte Angriff gewesen, rauscht Bastian Schweinsteiger nach Ribery-Vorarbeit am langen Pfosten an und netzt ansehnlich zum 2:1-Sieg ein.
Der erste Saisonsieg war damit eingefahren und Freund und Feind können von Beginn an diskutieren, ob es einzig Dusel war, oder auf die Spielzeit gerechnet doch vielleicht verdient war. Die erste Halbzeit war schon richtig gut, die ersten Minuten der zweiten Halbzeit gingen dabei so klar an Gegner wie schon lange nicht mehr. Es wurde um das Gegentor gebettelt. Nach Pfostenschuss und der Erlösung von Edin Dzeko haben sich die Bayern wieder ein bisschen zusammengerissen und spürbar an den Siegtreffer geglaubt und darauf hingearbeitet.
Martin Demichelis wurde für die Startelf nicht berücksichtigt und bat den Trainer daraufhin gekränkt, ihm die Schmach der Ersatzbank zu ersparen. Der Trainer nickte ab und der Argentinier wurde aus dem Kader gestrichen. Nach außen hin wird dieser “Eklat” seitens der Bayern stark verharmlost, aber wer van Gaal inzwischen ein bisschen kennt, der wird ahnen, dass er wohl künftig ohne “Micho” plant. Auch ein Abschied kurz vor Ende der Transferzeit ist zum einen möglich und zum anderen “kein Problem” für den Trainer, der “auch dann eine Lösung finden” wird. Diese Lösung hieße – ich nehme an, vorübergehend – Maximilian Haas, der in der zweiten Mannschaft Kapitän ist und mit seinen 24 Jahren nicht mehr allzu viel Zeit hat, um zu den Profis aufzusteigen. Sollte Demichelis nach acht Jahren, in denen ihm stets Loyalität nachgesagt wurde, er aber bei jedem Negativerlebnis alles infrage stellte und bockte, wie ein kleines Mädchen (Stichwort u.a. Sechser-Position unter Hitzfeld), den Verein verlassen, dann ist von Atletico Madrid die Rede, die am “Gaucho” scheinbar interessiert sind.
Mir macht Demichelis als Innenverteidiger viel zu viele Fehler. Die 2007er Saison, in der er sich konstant mit dem Prädikat Weltklasse trefflich umschrieben ließ, war eben doch nur eine Ausreißer-Saison auf dem Höhenflug der Luxus-Bayern mit den neuen Stars Ribery, Toni und Klose. Davor und danach war der eigentliche Demichelis zu sehen. In der Spieleröffnung hat er Ruhe und Übersicht, zudem kann er bärenstark und dabei fair Bälle abgrätschen. Alles, was einen guten Secher ausmacht. Leider ist “Micho” dafür laut Franz Beckenbauer viel zu lauffaul und spielt daher lieber in der Innenverteidigung. Das Kapitel Demichelis nähert sich stark dem Ende. Ich fänd’s okay.
Nachdem am Samstagabend weitere Bundesligaspiele abgepfiffen waren, wurde die zweite Runde des DFB Pokals ausgelost. Insgesamt drei Bundesliga-Duelle hat Steffi Jones aus dem Ärmel geschüttelt. Eines davon ist die Neuauflage des letzten Finalspiels: Bayern gegen Werder. Ein absoluter Hammer schon in der zweiten Runde. Völlig gleich wie das ausgeht, ein Vorjahresfinalist muss sich in diesem Jahr damit abfinden, den DFB Pokal mit nur einem Sieg am Anfang und dem Aus in der zweiten Spielrunde zusehend zu verfolgen.
Wenn Bremen dabei so plan-, konzept- und lustlos auftritt, wie zum 1:4-Debakel gegen Hoffenheim, dann würde ich schon mal vorsichtig auf die Bayern setzen. Aber das ist nunmal Bremen. Oft fallen viele Tore, meistens halt für Werder, nicht selten aber auch für den Gegner. Jedenfalls wird es in der kommenden Spielrunde wenigstens keine zwei Meinungen über die Wahl des TV-Spiels geben. Die Bayern sind wieder dran und diesmal sogar ohne Anlass zur Beschwerde.
Ich finde es schade, dass die Pokal-Auslosung nicht völlig offen ist. Angenommen, auch in der ersten Runde träfen Bundesligist und Bundesligist aufeinander, dann wäre die Chance sehr viel höher, dass auch die Underdogs für Überraschungen sorgen. So aber bleibt kaum eine Amateur-Mannschaft im Turnier, weil sie in der ersten Runde eben den Erst- und Zweitligisten zugelost werden.
Das erste Bundesliga-Wochenende ist hinter uns. Es gab Überraschungen, speziell durch die Aufsteiger und deren Siegen in den Schlussminuten, im Köln-Spiel sogar die schnellste Rote Karte der Bundesliga-Geschichte und Ruud van Nistelrooy, der gezeigt hat, dass er fit noch immer eine Institution im Sturm ist. Und es gibt mächtig Krach auf Schalke. All das macht die Liga gleich zu Beginn spannend. Schön, dass es wieder los geht.
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