Das »Spiel der Spiele« ging am Ende zugunsten der Dortmunder aus, die damit voll auf Kurs sind, die Meisterschaft erfolgreich zu verteidigen. Die Dortmunder dominierten die erste Hälfte, die Bayern die zweite. Dummerweise machten die Bayern dabei kein Tor, fingen sich indes sogar eines ein, während sie eigentlich am Drücker waren. Wenn man dann einen Elfmeter und einen Fünfmeter verschießt, kommt eine Menge Pech dazu und unter’m Strich reicht es dann nicht zum so dringend benötigten Sieg.
Ehrliche Gratulation also an den BVB, der nicht nur dieses mit größter Spannung, Vorfreude und Nervosität erwartete Spiel gewinnen konnte, sondern die Titelverteidigung zur Formsache werden lassen kann. Es würde die erste Titelverteidigung einer Mannschaft, die nicht Bayern München heißt, seit Mitte der Neunziger. Damals gelang das: Borussia Dortmund.
Geärgert habe ich mich über das Auftreten der Bayern in der ersten Hälfte. Ich hatte nicht den Eindruck, als würde die Mannschaft all dem vereinsseitigen Geschwafel, der um Anerkennung ringende Nerlinger natürlich federführend, der letzten Tage ansatzweise Taten folgen lassen (wollen). Die Angriffe wurden früh durch eigene Fehler unterbrochen, nur selten kam man überhaupt in Tornähe. Die Abwehr der Bayern hielt jedoch ganz gut, Schwächen im Abschluss, ein bärenstarker Manuel Neuer und etwas Glück bewahrten die Bayern vor einem Rückstand in Durchgang eins. Einige Bayernspieler kamen überhaupt nicht ins Spiel, Mario Gomez zum Beispiel erwischte einen dieser Tage, in denen er reineweg für den Abschluss zu gebrauchen sein könnte. Er vertändelte so manchen Ball, konnte Zuspiele häufig nicht kontrollieren. Toni Kroos sah man hauptsächlich vor dem Spiel in der grafischen Mannschaftsstellung. Und bei Freistößen, die zu nichts führten. Beim Wechsel in der zweiten Hälfte, als Heynckes Olic für Gomez brachte, war ich überrascht, dass nicht Kroos herausgenommen wurde. Immerhin ist mit einem Tor der Dortmunder immer zu rechnen und dann fehlt es vorne sofort an Durchschlagskraft. Aber diese mangelnde Flexibilität im Spiel der Bayern ist in dieser Saison – vorrangig natürlich bei Punktverlusten – schon so oft kritisiert worden, unter Heynckes wird sich das wohl nicht mehr bessern.
Arjen Robben hatte den Ausgleich gleich zweifach auf dem Fuß, scheiterte dann wie eingangs erwähnt am Elfmeterpunkt und in der Nachspielzeit frei fünf Meter vor dem Tor. Natürlich ist das ärgerlich und ich war fassungslos, als ich das sah. Aber wie man Robben, wie im Netz unter anderem bei Twitter postwendend live mitzuerleben, sofort wieder beschimpfen und zum Teufel wünschen kann, ist mir ein Rätsel. Jene seien daran erinnert, dass es ohne Arjen Robben nach dem Siebenpunkterückstand auf Dortmund in den letzten Spieltagen doch gar nicht wieder spannend geworden wäre. Robben war an 17 Toren beteiligt und hat ein Drittel der Spiele dabei gar nicht mitgemacht. Er selbst wird sich am meisten darüber ärgern.
Manuel Neuer und David Alaba ließen sich positiv hervorheben, ebenso Schiedsrichter Knut Kircher, der nicht weniger als die perfekte Schiedsrichterleistung erbrachte, und umgekehrt könnte man Philipp Lahm recht scharf für sein wohl schlechtestes Saisonspiel detailreich kritisieren. Oder man lässt es einfach, weil das alles mal passieren kann und das Spiel – mit viel Wohlwollen ausgedrückt – nicht durch Einzelne vergeigt wurde, sondern schon die erste Hälfte mit einer erschreckend schwachen Mannschaftsleistung zur Niederlage beitrug.
Der Traum vom Triple, der vor etwa fünf Wochen schon einmal ausgeträumt war, ist wohl nun endgültig geplatzt, aber die Saison ist ja noch nicht vorbei. Es gibt ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem BVB im Pokalfinale und es gibt noch die Champions League. Und auch wenn ich den Sieg in der Königsklasse nicht für sonderlich realistisch halte: Wenn die Bayern am 19. Mai dieses eine Spiel in München mitmachen und vielleicht sogar gewinnen sollten, dann ist es mir so scheißegal, ob das Spiel gestern Abend verloren wurde und Borussia Dortmund erneut Deutscher Meister ist.
Abschließend ein kleines Gedicht:
Lieber Neven, schlechte Verlierer nerven sehr,schlechte Gewinner noch viel mehr. Auch wenn Robben mal verschießt,
bis du in dessen Liga spielst,
wird’s noch so manchen Anlass geben,
sich derart unfair zu benehmen. Auf Hohn und Spott sind viele ganz erpicht,
von Klasse oder Größe aber zeugt das nicht.

12/04/2012 @ 11:15
Abgesehen von der fragwürdigen Aktion von Subotic muss man aber auch sagen, dass Robben um solche Attacken aber auch bettelt mit seiner ewigen Schauspielerei. Wenn du 9 mal hinfällst, ob wohl nichts war, dann musst man bei einer fragwürdigen Sitaution wie vorm Elfmeter dann damit rechnen, dass der Schiedsrichter es entweder nicht pfeift oder der Gegenspieler mal Klartext spricht. Ich kann damit leben.
12/04/2012 @ 11:24
Was Subotic da macht ist unreif und peinlich. Robbens (und auch Ribérys) Schwalben gehen mir auch tierisch auf die Nerven und sollen meinetwegen in jedem Spiel mit Gelb geahndet werden. Trotzdem war diese Aktion ein einziges Armutszeugnis.
12/04/2012 @ 11:33
Unreif, das trifft es. Der ist eben halt auch erst 23. Ich will denjenigen sehen, der dann nicht mal übermotiviert ist, gerade wenn er unter enormen Druck steht.
Wie gesagt, ich kann damit leben, genauso wie ich mit leben kann, dass die Bayern sich irgendwann mal rächen werden, sprich gegen uns gewinnen.
12/04/2012 @ 11:37
Das traurigste des gestrigen Abends war die Erkenntnis dass Dortmund Bayern in allen Belangen überlegen ist und sich das auch nicht so schnell ändern wird denn die Dortmunder haben einen Kader der nach oben noch Luft hat und einen Trainer dazu der nicht nur die Spielweise zu einer Augenweide macht sondern auch die SPieler tatsächlich verbessern kann. Dazu haben sie mit Reus einen richtig starken Neuzugang für die nächste Saison, selbts da sind sie Bayern überlegen denn ich glaube nicht dass Shaquiri der Spieler ist der das Ruder rumreissen wird,siehe beim 7:1.
ayern ist zu abhängig von Robbery,wenn beide einen schlechten Tag oder gute Gegner haben ist die Luft raus im Offensivspiel,dazu gesellt sich eine Devensive die alles andere als sattelfest ist.
Das hätte vor ein paar Jahren noch für den Titel gereicht,jetzt haben andre mannschaften aufgeholt und es reicht eben nicht mehr mit dem Scheckbuch durch die Bundesliga zu rennen. Eines ist klar,sollte dieses jahr ohne Titel vergehen wird Heynckes seinen Hut nehmen müssen (und davon gehe ich aus,da Real noch stärker ist als Dortmund und alles für Dormund im Pokal nach den letzten 4 direkten Duellen spricht),zurecht. Die Probleme des Kaders sind damit aber noch lange nicht gelöst. Jetzt wird sich zeigen ob Nerlinger sein Gehalt wert ist oder nicht neben dem Trainer auch ein neuer Sportmanager zur Disposition steht…
Grüsse BoBa
12/04/2012 @ 13:20
Dem ist im Prinzip nichts mehr hinzuzufügen. Ich war schockiert, ob dieser Überlegenheit der Dortmunder und der Unfähigkeit, selbst eine ordentlich Torchance herauszuspielen. Selbst in Halbzeit 2 gab es derer einfach zu wenige angesichts der optischen Überlegenheit. Das passt aber ins Bild dieser und der gesamten letzten Saison.
Ganz trauriger Tag für den FC Bayern und all seine Fans.