Ein großer Titel bleibt der gegenwärtigen Fußballgeneration um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose weiterhin verwährt. Nachdem die Bayern als internationales Aushängeschild der Bundesliga in den letzten drei Jahren zweimal am Champions-League-Endspiel teilnahmen und jeweils mit hängen Köpfen vom Spielfeld gingen, will es auch der Nationalmannschaft, gestern mit insgesamt acht Bayernspielern, einfach nicht gelingen, einen Titel zu gewinnen. In den letzten vier Großturnieren, von der WM 2006 an bis zur laufenden Europameisterschaft, war die DFB-Auswahl jedes Mal im Halbfinale, einmal, bei der EM 2008, sogar im Finale.
Dass es zum großen Wurf einfach nicht reicht, hat ganz unterschiedliche Gründe. Mir fehlte gestern, vor allem in Halbzeit eins, der Biss in der Mannschaft. Sämtliche Bemühungen wirkten nicht so wirklich entschieden. Hinzu kommt taktische Unterlegenheit und eine feststellbare Blockade im Spielaufbau, wenn das Geschehen auf dem Rasen einen eher unerwarteten Lauf zu nehmen scheint. Erstmals griff auch Jogi Löw bei der Aufstellung gründlich daneben, brachte Lukas Podolski zurück in die Mannschaft, der wirkungslos war und lustlos wirkte, brachte Mario Gomez, an dem das Geschehen die vollen 45 Minuten vorbei ging, und der wohl häufig entweder Weltklasse oder Kreisklasse kann. Und er brachte – was wohl neben Löw auch die anderen zig Millionen Bundestrainer in Deutschland so entschieden hätten – Bastian Schweinsteiger. Ich hätte ihn auch aufgestellt, aber er muss sich vorwerfen lassen, dass seine großen Reden vor und zwischen den Spielen seit langer, langer Zeit in keinstem Verhältnis zu dem stehen, was er auf dem Platz dann abliefert. Da bringt er regelmäßig einfachste Bälle nicht zum Mitspieler, macht Fehler, die man vor seiner Schulterverletzung im Herbst in der Form nicht von ihm gewohnt war. Und der große Leader, den man ihm nachsagt zu sein, der er auch gern wäre, ist in ihm ebenfalls nicht zu erkennen gewesen. Schweinsteiger ist der Totalausfall dieses Turniers. Auch Toni Kroos konnte gestern nicht beweisen, dass seine zum Ausdruck gebrachte Unzufriedenheit über sein Fristen als Einwechselspieler gerechtfertigt gewesen wäre. Er fiel bei zwei, drei Schüssen auf, die nicht aufs Tor gingen und bei den Ecken 268 und 269, die er kniehoch auf den ersten Pfosten gebracht hat, ohne auch nur im Ansatz Gefahr damit zu versprühen.
Leider bleibt es dabei, dass die Deutschen häufig ganz ansehnlich spielen, sich zum Favoriten mausern und am Ende ja doch nichts gewinnen. Wie der FC Arsenal vor einigen Jahren in England: Schön spielen, die Herzen der Fans erobern und am Ende stets mit leeren Händen dastehen. Ich finde aber, dass Deutschland bei den vergangenen Turnieren und vor allem in der EM-Vorbereitung besser spielte, als bei dieser Europameisterschaft. Das mag als einzige Mannschaft mit vier Siegen bis zum Halbfinale unerheblich erscheinen, aber diesen leichtfüßigen Spaßfußball der WM 2010 zum Beispiel, den hat man in Polen und in der Ukraine von der DFB-Auswahl eher nicht gesehen. Schwer dürfte es jetzt werden, die Spieler bei Laune zu halten, sie neu zu motivieren. Zwar stimmt der Mix aus »jung und alt« in der Mannschaft, und viele Spieler können noch viel erreichen in ihrer Karriere, aber die oben angesprochenen Routiniers wie Lahm, Schweinsteiger und Klose dürften so langsam Zweifel bekommen, ob das nochmal was wird mit einem internationalen Titel, oder ob man wie Michael Ballack weitestgehend eindrucksvoll aber halt titellos in die Geschichte der Nationalmannschaft eingeht.
Für das Finale wünsche ich mir Italien als Sieger, die irgendwie eine ganz sympathische Truppe darstellen und erheblich sehenswerter spielen, als die Spanier, die nach ihrem ewigen Ballgeschiebe mittlerweile schon ab der Balleroberung ausgepfiffen werden.

29/06/2012 @ 10:42
Ich könnte ja jetzt sagen, dass es am Bayernblock lag, weil die nie was gewinnen, aber das mir dann doch zu einfach.
Die Mannschaft ist auf hohem Niveau einfach noch nicht reif genug. Und Löw hat gestern auch seinen Anteil durch die taktische Umstellung.
Mal sehen, was bis 2014 passiert.
29/06/2012 @ 10:46
Ich bin echt traurig, dass Deutschland im Halbfinale verloren hat und nicht erst im Finale. Dieses inhaltlich total angemessene und noch immer überaus lustige Vize-Bayern-Schießmichtot-Gesülze wäre bestimmt total spannend geworden…
29/06/2012 @ 10:46
Scheiße…ich befürchte wirklich, dass diese Nationalmannschaft keine Titel holen kann. Da fehlt irgendwo dieses letzte Quentchen Siegeswille oder so was. Ach keine Ahnung, eh wurscht, draußen sama und jetzt kann der Schweini sich mal richtig erholen. Der wurde jetzt so dermaßen verheizt, ich hoff nur, dass der auch wieder richtig fitt wird zur neuen Saison.
02/07/2012 @ 11:00
Wobei man aber auch nicht unerwähnt lassen kann, gegen wen wir gescheitert sind. 2x Spanien, gegen die seit 2008 keine Nation wirklich Land sieht, weder Italien, noch wir Deutschen noch die Niederländer und halt Italien, gegen die schon viele deutsche Mannschaften vorher gescheitert sind.
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