Noch nie hatte eine Bundesligamannschaft nach fünf Spieltagen ein besseres Torverhältnis als der FC Bayern in dieser Saison. Mit dem gestrigen 3:0 über Wolfsburg lautet die Bilanz nun: fünfter Sieg im fünften Spiel, 17:2 Tore. Das ist schon außergewöhnlich und für vergleichbare Resultate zum Ligastart muss man einige Jahre zurückblicken. So gelang dem 1. FC Kaiserslautern im Jahre 2001 ein fulminanter Auftakt, als man mit sieben Siegen in Folge das Geschehen bestimmte. Dabei kam man auf eine Torbilanz von 20:7. Mit identischer Differenz und ebenfalls sieben Siegen, jedoch einem Gegentor weniger, gelang den Bayern 1995 unter Otto Rehhagel ein ebenso beeindruckender Start.
Ohnehin ist das eine bemerkenswerte Saison bis dahin. Eintracht Frankfurt kann sich mit seinen vier Auftaktsiegen den Titel “Bester Aufsteiger aller Zeiten” anheften, Fortuna Düsseldorf ist der Aufsteiger mit der längsten Serie ohne Gegentor ab Spieltag eins – seit Bestehen der Bundesliga. Fünf Spiele und somit 450 Minuten ist der Aufsteiger inzwischen ohne jedes Gegentor. Auch die Bayern hätten gestern in 450 Minuten gegen Wolfsburg kein Gegentor kassiert.
Sie waren die Spiel bestimmende Mannschaft, ließen dem Gast nicht den Hauch einer Chance. Und trotzdem war das zwischenzeitliche 1:0 so unfassbar viel enger, als es der Spielverlauf eigentlich erlaubt hätte. Die Wolfsburger taten nichts, aber auch gar nichts für das Spiel, wollten sich wahrscheinlich voll auf die Defensive konzentrieren und mussten dann feststellen, dass dieses Vorhaben nun überhaupt nicht funktioniert. Die gesamte Abwehr, ob das Naldo war, Pogatetz oder Fagner, allesamt wurden anfangs spielerisch überwunden, später regelrecht vorgeführt. Insgesamt 25 Torschüsse gaben die Bayern ab, die Chancenauswertung allerdings war abenteuerlich. Mario Mandzukic hätte seinen Ex-Club schon im Alleingang abschießen können – die erzielten zwei Treffer waren dabei das absolut Mindeste, was herausspringen musste. Dabei waren alle drei Tore perfekt herausgespielt, passten in ihrer schönen Entstehung zwar zum Spiel, aber eigentlich weniger zu dem sonst schon stümperhaften Umgang mit erstklassigen Torchancen. Aber was soll’s, so lange das gut geht, ist das wohl Meckern auf hohem Niveau und es war ja auch nicht Champions League, sondern ging – sorry – nur gegen die Wölfe, die so zahm waren wie junge Kätzchen. Kaum zu glauben, dass diese Mannschaft vor nicht allzu langer Zeit Deutscher Meister wurde. Aber aus dieser Zeit sind nicht viel mehr Spieler als Marcel Schäfer, Diego Benaglio und Josué übrig geblieben, was Felix Magath allen Grund geben sollte, seine regelrechte Transferwut mal zu hinterfragen.
Mitunter das Schönste an dieser jungen Saison ist ja die Tatsache, dass es beinahe egal ist, welche elf Spieler Jupp Heynckes aufs Feld schickt – alle liefern durchweg prima Leistungen ab. Gestern war Thomas Müller erkältungsbedingt gar nicht im Kader und dem zur Zeit beeindruckenden Toni Kroos wurde eine Verschnaufpause auf der Reservebank gegönnt. Dies brachte Xherdan Shaqiri in die Mannschaft, der auf frech-sensationelle Art und Weise das 2:0 einleitete und dabei den routinierten Naldo abkochte, als sei das ein Anfänger. Doch, diese Saison macht richtig viel Spaß.
Anmerkung zur Überschrift: Die angedachte Titelzeile »Von hungrigen Löwen und zahmen Wölfen« musste ich – aus Gründen, wie man sagt – überdenken. Ebenso wenig dürfte der FC Bayern ja in hellblau spielen.
