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Ein Punktgewinn und nicht “nur ein Punktgewinn”

Nur ein Sieg aus den letzten drei Spielen. Auch Manuel Neuers Gegentorrekord ist nun – zumindest wettbewerbsübergreifend – passé. Die meisten Bayern spielten am Abend schlecht gegen den SSC Neapel. Muss man sich um den zuletzt so hoch gelobten FC Bayern plötzlich ernsthafte Sorge machen? Wohl kaum. Am gestrigen dritten Spieltag der Gruppenphase in der Champions League sahen wir ein überwiegend im zweiten Durchgang ziemlich zerfahrenes Spiel. Bastian Schweinsteiger erlebte beinahe mehr Pfiffe des mir zu kleinlichen Schiedsrichters als eigene Ballkontakte, das gesamte Spiel war nicht schön anzusehen. Jetzt könnte man sagen: So ist das halt meistens gegen italienische Mannschaften. Aber mit dem Argument tut man dem SSC Neapel wohl Unrecht. Die Neapolitaner wollten ihr Spiel mit einer Dreierabwehrkette, einem Vierermittelfeld und drei Angreifern aufziehen. Man ist versucht offensiven Fußball zu spielen und man ist weit entfernt vom so unansehnlichen für Italiener nicht untypischen Catenaccio.

Dieses aus Sicht der Zuschauer lobenswerte Vorhaben der Gastgeber wurde durch die Bayern schon in der zweiten Minute jäh unterbunden. Mit dem ersten Angriff nach wenigen Sekunden im Spiel gelang es Toni Kroos unmittelbar den ersten Schuss sicher im Tor zu versenken. Die Begeisterung war groß, auch im Netz war so etwas wie Anerkennung Fans anderer Mannschaften zu vernehmen. Soweit so gut. Das Spiel drohte für alle, die es nicht so mit den Bayern halten, eine erneute Galavorstellung des deutschen Branchenprimus zu werden. Es sah so aus, als könnte man sich “nur selbst schlagen“.

Doch dann fing man sich kurz vorm Pausentee ein ganz unglückliches Tor ein, welches Holger Badstuber als Eigentor zugeschrieben wurde. Dieser rutschte blöd in einen als Zuspiel gedachten Ball von Christian Maggio hinein und ließ Neuer keine Abwehrchance. Mit diesem 1:1 ging es in die Pause, was auch ganz gut war, da die Gastgeber nach dem bis dahin überraschenden Ausgleich am Drücker waren. Für Marcel Reif war das Remis nun schon glücklich für die Bayern. Wie fünf läppische Minuten einen Gesamteindruck doch verwischen können, nicht wahr?

Die zweite Hälfte war dann nicht mehr schön anzusehen, insgesamt neun gelbe Karten trugen dazu bei. Weder Gomez’ kläglich verschossener Handelfmeter, noch die tausendprozentige Chance von Thomas Müller, in der er aus rund zwei Metern das Kunststück vollbrachte, das so gut wie leere Tor mit dem Außenrist zu verfehlen. Der verschossene Elfer von Gomez müsste einen neuen Schützen nach sich ziehen, wenn die Handhabung der letzten Saison weiterhin Bestand hat. Laut dieser ernennt das Team eine Reihe von Schützen, die, wenn sie am Zug sind, so lange schießen dürfen, bis ein Strafstoß verfehlt wird. Und da Mario Gomez nun wirklich bei den allermeisten Elfern, die er zwar bis dahin, wenn auch mal im Nachschuss verwandelte, ziemlich glücklich aussah, ist es vielleicht gar nicht schlecht, nun wieder einen anderen antreten zu lassen. Dem Nervenkostüm vieler Fans und womöglich auch Mitspielern könnte dies zuträglich sein. Auch wenn er beim VfB Stuttgart stets ein sicherer Schütze war, hier und jetzt sieht das ein bisschen anders aus.

Generell haben viele Spieler gestern einen schlechten Tag erwischt. Müller ist absolut gar nichts gelungen. Einen derart rabenschwarzen Tag, wie er ihn beim gestrigen Spiel erlebte, hat man auf Profiebene vermutlich nicht so häufig. Manchmal wirkt er ja ähnlich unglücklich in seinem Spiel, macht dies dann aber meistens noch mit einem Tor oder einem Assist wett. Gestern nicht. Gestern war es wieder eines dieser Spiele in denen sich irgendwann schon abzeichnete, dass dieses Spiel nicht mehr gewonnen wird.

Man könnte an der Vorstellung der Bayern noch mehr kritisieren, wie etwa einen am Defensivspiel auffällig wenig interessierten Franck Ribery, aber insgesamt hat man gegen den sich als schärfster Konkurrent in dieser Gruppe entpuppten Gegner bei beeindruckender Atmosphäre einen Punkt geholt und ist nach der Hinserie der Gruppenphase ungeschlagener Tabellenführer. Das ist so schlecht nicht, wenn man bedenkt, dass diese Gruppe A nach der Auslosung zur berühmten Todesgruppe auserkoren wurde und im Grunde genommen kein einziger Gegner dabei ist, bei dem vorab Siege in beiden Spielen erwartet werden mussten. Inzwischen ist dies beim FC Villarreal schon der Fall, da man das Auswärtsspiel bereits für sich entscheiden konnte und daheim nun ohnehin in der Favoritenrolle ist. Auch ist der FC Bayern nach gespielten drei Partien klarer Kandidat für den Gruppensieg, aber so ganz selbstverständlich war das im Vorfeld eben keineswegs und daher darf das 1:1 beim starken SSC Neapel als ein Punktgewinn gewertet werden und nicht als nur ein Punktgewinn.

2 Kommentare

  1. Vollkommene Zustimmung.
    Eine kleine Ergänzung habe ich noch. Lahm hatte auch nicht so viel Lust auf die Defensive, so daß die wieder erstarkte linke Seite ziemlich aus der Reihe tanzte. Das begünstigte auch das Eigentor, bei dem sowohl Badstuber als auch Neuer machtlos waren.

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  2. Super Beitrag! Man darf aber auch mal jemanden wie Daniel van Buyten hervorbringen, der wohl gestern einer der besten auf dem Platz war. Was wurde vor dem Spiel über Cavani und co. gesprochen. DvB hat Cavani kalt gestellt, auch so Sachen kann man ruhig mal erwähnen…auf der anderen Seite muss man leider zugestehen, dass Ribery auf verlorenem Posten gegen Campagnaro stand, der einfach einen Sahne Abend erwischt hat.

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