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Eine Flügelzange im Lazarett – Alternativen?

Wenn “alle Mann an Bord” sind, hat der FC Bayern eine gefürchtete Waffe. Die vielleicht beste Flügelzange der Welt trägt dann das rot-weiße Trikot des deutschen Rekordmeisters. Leider habe ich auf Anhieb keine Statistiken entdeckt, aber allzu häufig haben Franck Ribery und Arjen Robben in ihren gemeinsamen rund 13 Monaten beim FC Bayern noch nicht zusammen gespielt. Vor allem nicht in Topform. Dies wird sich in den kommenden Wochen auch nicht ändern.

Während Arjen Robben mit einer üblen Verletzung, einem Muskelriss, von der WM zurückkehrte, was von Blogger-Kollege Breitnigge in sechs Akten (123456) aufgeführt worden ist, erlitt Franck Ribery im letzten Spiel eine erneute Verletzung. Und das nach einer letzten Saison, die der Franzose mit Glanzleistungen in der laufenden Spielzeit schnell vergessen machen wollte und auf einem wirklich guten Wege war. Zunächst wurde er bösartig vom gern mal stark übermotivierten Tobias Weis umgemäht, dann knickte er sehr unglücklich um, was ihm einen Bänderris einbrachte, der ihn nach aktuellem Stand zu vier Wochen Pause zwingt.

Was ist jetzt zu tun? Das “Handball”-System von Louis van Gaal besteht zu nicht unerheblichen Teilen aus stark einbezogenen Flügelspielern. Ohnehin sind es die Flügelspieler, die Schnelligkeit auf den Rasen bringen. Während im Zentrum mit zwei, drei defensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern beim Gegner kaum Platz für Kreativität bleibt, muss es über schnelle, geschickte Angriffe über die Außen gehen. Dafür hat man mit Robben und Ribery links wie rechts Weltklassepersonal. Robbens Verletzungsanfälligkeit schien Dank Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt in der letzten Saison überwunden. Bis zur WM, die er wohl bereits verletzt spielte.

Alles was bleibt ist der Blick auf jene Spieler, die im Optimalfall – dieser sieht Ribery und Robben auf dem Rasen vor – auf der Bank oder einer anderen Position zu sehen sind. Klar, als erstes denkt man an Thomas Müller, Ivica Olic oder Hamit Altintop, die einen Toni Kroos in der Mitte flankieren. Der Trainer aber sieht Thomas Müller auf der Zehn am stärksten, weswegen Toni Kroos auf die Außenbahn geschoben wird – oder eben noch drei Meter weiter auf einen Sitzplatz. Bleibt es dabei, bleibt es bei den Alternativen Altintop, Olic und Kroos. Kroos ist außen aber weitgehend verschenkt. Wenn ich ihn einem Ball hinterherwetzend zusehe, bin ich geneigt, zu glauben, dass ich sein Tempo mitgehen könnte. Kurzum, es fehlt ihm an Schnelligkeit. Jeder moderne Außenverteidiger nimmt ihm rasch einige Meter im Laufduell ab. Altintop macht seine Sache als Feuerwehrmann meistens recht gut, neigt aber dazu, kompliziert zu spielen, als den einfachen Pass oder Torschuss zu wählen. Ivica Olic ist gedanklich vielleicht noch in der guten Vorsaison, der verpassten WM mit Kroatien, oder im Sommerurlaub. Auf jeden Fall ist er von seiner gewohnten Form noch weit entfernt.

Es ist jetzt am Trainer, entweder auf die Schnelle das System umzustellen, und vielleicht wieder mit zwei Stürmern zu spielen, vorzugsweise kopfballstarke, oder mit vorhandenem Personal “Rib & Rob” so gut wie eben möglich zu ersetzen. Ich könnte mir vorstellen, dass das Hitzfeld’sche System mit flacher Vier im Moment am besten passen könnte. Das nähme zwar Kroos aus dem Spiel, müsste aber bei den aktuellen Ausfällen und dem was man hat, für mehr Torgefahr sorgen. So könnte man – defensiv in jedem aller Taktikspielchen natürlich mit Schweinsteiger und van Bommel – vorn wie folgt aufstellen:

Hier hat man schon noch einiges an Spielraum. So könnte Müller in die Spitze rutschen, Olic auch, oder nach außen oder Kroos rein. Ich würde ein solches System derzeit auf jeden Fall für am sinnvollsten halten. 80% Ballbesitz kann man auch so erreichen, das ist meiner Meinung nach nicht unbedingt vom System abhängig, es muss sich halt nur stets ein Anspielpartner frei laufen. Vorn sollte man mit zwei Stürmern schon mehr Schlagkraft haben, als mit einem schlappen Olic und einem unglücklichen/ungefährlichen Klose als alleinige Spitze.

Ich bin gespannt, was sich Louis van Gaal für die kommenden Wochen ausgedacht hat. Garantiert wird die Tatsache, dass man im Spiel gegen Mainz auf den ungeschlagenen Tabellenführer mit voller Punktzahl trifft, nicht die einzige Überraschung in der nächsten Zeit bleiben.



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