web analytics
Artikelformat

Eine Schande für den FC Bayern

Eigentlich wäre zum gestrigen Freundschaftsspiel zwischen Bayern München und der niederländischen Nationalmannschaft nichts zu sagen gewesen. Das Spiel ging 3:2 für Bayern aus, war in der ersten Halbzeit zum Teil ganz ansehnlich und in der zweiten Hälfte ein rezeptfreies Schlafmittel. Bis dann eine Viertelstunde vor Schluss Arjen Robben eingewechselt wurde. Anfangs sah man ihm an, dass er es zu genießen schien, so ein lockeres Spiel mit der eigenen Nationalmannschaft beim und gegen den eigenen Verein spielen zu können. Er grinste, lächelte und schien, soweit man das nach der traurigen Finalniederlage vom Samstag sagen kann, ganz gut gelaunt. Das dürfte sich postwendend geändert haben: Bei seiner Einwechselung gab es einige Pfiffe, die ich als Zuschauer noch nicht unbedingt auf Arjen Robben gemünzt hätte. Warum auch. Als er dann aber bei jedem weiteren Ballkontakt gellend ausgepfiffen worden ist, traute ich meinen Ohren nicht.

Die eigenen Fans pfiffen einen der wenigen Spieler aus, die immer alles für den Verein – gewiss auch für sich selbst, aber eben im Dienste der Mannschaft – geben und unter höchster psychischer Belastung im Gegensatz zu vielen Kollegen den Mumm haben, Elfmeter zu schießen. Bis auf zwei, leider immens wichtige, sind davon auch mit hübscher Regelmäßigkeit die allerallermeisten im Tor untergebracht worden. Und dann wollen einige “Fans” (ohne Anführungszeichen geht das nicht) ihm die alleinige Schuld für die Finalniederlage zuschieben? Das ist an Peinlichkeit, Engstirnigkeit und miesem Stil nicht mehr zu überbieten. Am Samstag hat Arjen Robben einen sehr, sehr wichtigen Strafstoß nicht verwandelt – tragisch genug, für ihn selbst mit Sicherheit am meisten. Aber niemand weiß doch, ob der FC Chelsea nach einem möglichen 1:2 nicht seinerseits selbst wieder angezogen hätte? Immerhin haben sie für den ersten Ausgleich keine drei Minuten gebraucht, insofern ist es überhaupt nicht gesagt, dass die Bayern das Finale auch gewonnen hätten, wenn Robben vom Punkt getroffen hätte. Und es bleibt dabei: dieser Fehlschuss nagt dermaßen an einem, dass man am liebsten im Erdboden versinken möchte. Dafür gibt es im Sport Fans, die dann Aufbauarbeit leisten. Die Plakate stemmen, auf denen etwa steht, »Kopf hoch, Arjen«, »Danke trotzdem für eine tolle Saison« oder einfach »Arjen Robben«. So etwas bekommt ein Spieler vielleicht nicht unmittelbar mit, aber immerhin im Nachgang und es tröstet ungemein, es spornt an, wieder und wieder neu anzugreifen.

Aber bestimmt nicht diese Pfiffe einiger Vollidioten, die in den letzten Jahren überhaupt nichts verstanden haben und ihren Frust an Einzelnen auslassen. Das schadet dem Ansehen des FC Bayern, für den man immerhin im Stadion war, das schadet dem Ansehen seiner Fans, von denen die meisten für diese Blödheit überhaupt nichts können. Und vor allem schadet es dem Spieler. Dem, der sich in dieser Saison über 2700 Minuten auf dem Platz den Arsch aufgerissen hat, immer wieder angelaufen ist, um den Fans etwas zu geben, und dabei 10 Torvorlagen geleistet hat und 19 Tore selbst geschossen hat. Auf diese paar hundert Zuschauer kann der Verein, Fans mit Verstand und eigentlich der gesamte Fußball gut verzichten. Bitte geht nicht mehr ins Stadion und überlasst die Karten denen, die es verstehen, ihren Verein angemessen zu unterstützen. Ihr, gemeint sind ausschließlich jene, die gestern mitgepfiffen und vor allem angestimmt haben, seid nichts weiter als eine Schande.

8 Kommentare

  1. SammyKuffour

    23/05/2012 @ 10:12

    Ich stimme 100% zu. Wer überhaupt die Kraft hat, drei Tage nach dem Finale Dahoam, in die Arena zu gehen, um dann den um den FCB hochverdienten Spieler Arjen Robben auszupfeifen, der kann kein Fan des FC Bayern sein. Jetzt hat der Boulevard, der den Robben sowieso schon die ganze Saison rausekeln will, wieder einen neuen Ansatzpunkt. Toll, ihr Idioten! Der Patient FC Bayern braucht Ruhe, um zu heilen, und nicht Streß. Unfaßbar.

    Antworten
    • genau.
      wenn überhaupt soll man die kritisieren, die sich das elfmeterschiessen nicht zugetraut haben. Arjen hat Verantwortung übernommen. Er ist gescheitert, aber in Madrid und in Berlin hat er getroffen – das ist schon wieder vergessen.

      Antworten
  2. Wortwellenreiter

    23/05/2012 @ 10:29

    Treffend beschrieben. Leider sind das aber genau die “Fans”, die unsere Vereinsführung sich “herangezogen” hat. Das sind die Leute die hofiert werden, das sind die “Mia san Ulis”. Genau wegen dieser Leute kann ich nicht mehr unbeschwert Heimspiele des FCB besuchen. Denn das waren keine Sonderfälle, die nur bei so nem Eventspiel in die Arena pilgern.

    Ich vermisse eine deutliche Reaktion der Vereinsführung. Offensichtlich ist so was aber für Spieler reserviert, die noch nicht verpflichtet wurden.

    Antworten
  3. Auch ich finde die Pfiffe ebenfalls zum Kotzen und würde niemals auf die Idee kommen, den eigenen Spieler auszupfeifen.

    Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob du (und auch die Presse) die Beweggründe der pfeifenden Zuschauer richtig erfasst hast. Denn auch wenn es nach dem Samstag unwahrscheinlich klingen mag: Einige (die wahrscheinlich ansonsten nicht oft im Stadion sind/sein können) mögen sich tatsächlich auf dieses “Robben-Spiel” gefreut haben. Und darauf, Robben auch tatsächlich etwas länger spielen zu sehen, vielleicht auch im Trikot der Bayern.

    Ich habe die Pfiffe also eher so interpretiert, dass die Leute unzufrieden und enttäuscht waren, Arjen nur so kurz zu Gesicht bekommen zu haben.

    Das macht die Sache natürlich nicht besser, aber vielleicht etwas “nachvollziehbarer”.

    Antworten
    • Demnach wäre es aber eine reichlich unnatürliche Art, diesen Ärger mit Pfiffen auszuleben, ausgerechnet, wenn Robben am Ball ist. Denn wie sicher jeder weiß, der im Stadion war und sich somit für das Spiel interessiert hat, war es Bert van Marweijk, der Robben so kurz einsetzen wollte. Es ist meines Wissens nach nicht bekannt, dass Robben von sich aus nicht spielen wollte. Die Pfiffe hätten also dann den völlig falschen getroffen und wären alles andere als weitsichtig, wenn man bedenkt, was Robben wenige Tage zuvor erlebt hat. Ich gehe fest davon aus, dass das nichts als Böswilligkeit war.

      Antworten
  4. Exakt auf den Punkt gebracht, ist echt unglaublich was manche Deppen da zustande bringen. Robben ist ein absoluter Leistungsträger, diese Pfiffe sind absolut unverständlich gewesen, da muss man sich echt schämen.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.