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Fassungslosigkeit

Die Bayern sind raus. Nachdem es in der ersten Halbzeit so aussah, als würde man Inter Mailand mit einem historischen Kantersieg aus dem Stadion schicken, kam am Ende dann doch alles anders. Wir sahen ein ereignisreiches, ansehnliches Spiel mit gutem Ende für Inter Mailand. Das 1:0 der Bayern aus dem Hinspiel wurde schon nach drei Minuten wett gemacht, als Samuel Eto’o seine Mannschaft in München in Führung brachte. Nach drei Spielminuten stand es somit wieder 0:0. Alles war offen. Die Bayern kamen dann aber in Fahrt und konnten innerhalb von zehn Minuten das Spiel drehen. Mario Gomez staubte nach einer misslungenen Torwart-Parade zum 1:1 ab, Thomas Müller spitzelte den Ball kühl an Julio Cesar zum 2:1 vorbei.

Was wir dann sahen, hätte ich nie im Leben geahnt. Die Bayern dominierten Inter Mailand nach allen Regeln der Kunst. Arjen Robben und Franck Ribery machten als Duo das vielleicht beste Spiel im Bayerndress. Sie arbeiteten viel, suchten das gemeinsame Kurzpassspiel, womit einher ging, dass beide viel unterwegs waren und nicht mehr derart streng ihre Positionen hielten. Das sah richtig gut aus. Dieser Angriff kann es mit jeder Abwehr dieser Welt aufnehmen. Würde er gar gegen die eigene Abwehr spielen, ach lassen wir das.

In der zweiten Hälfte verloren die Bayern aber total den Faden. Es wurde vorn zu leichtsinnig gespielt. Obwohl Ribery eine Partie der Extraklasse ablieferte, darf man kritisieren, dass er auf dem Höhepunkt des Spiels den Respekt vor dem Gegner verlor und glaubte, man könne den amtierenden Alles-was-es-gibt-Sieger vorführen. Das funktionierte nicht. Rund zwanzig Minuten vor dem Ende ging Ribery aufgrund seines Uptempo-Spiels zusehens die Puste aus. Ihm gelang nichts mehr, er verlor Bälle und half nach hinten nicht mehr aus.

Mario Gomez vertändelte noch einen hoffnungsvollen Konter, der – da lege ich mich trotz allen Konjunktivs fest – die Entscheidung gebracht hätte, wenn er alles gemacht hätte, nur nicht das, wofür er sich letztlich entschied.

Aber als Wesley Sneijder den Ausgleich erzielte, war das für die einen der Startschuss, für die anderen der Genickschuss. Ich weiß nicht, ob es die Anweisung des Trainers war oder ob die Bayern intuitiv defensiv spielten. Aber wie soll das denn bitte funktionieren. Eine Mannschaft, die einzig und allein wegen der Offensive so gut ist, aber wegen der Defensive den ganz großen Wurf nicht schafft, will plötzlich gegen die aktuell erfolgreichste Vereinsmannschaft der Welt Verwaltungsfußball spielen, was sie seit Ottmar Hitzfeld, und selbst da ging es häufig in die Hose, komplett verlernt hat? Ach bitte. Seit Jahren ist einem bei der Bayernabwehr bei großen Spielen schon vor Anpfiff Angst und Bange. Wegen eben der Abwehr. Und dann soll diese Abwehr, Louis van Gaal hat inzwischen alle erdenklichen Viererketten-Konstellationen durch, konstante, eingespielte Formationen kann es also gar nicht geben, ein 2:2 über 30 Minuten sichern? Das war zum Scheitern verurteilt.

Die Bayern waren am Ende, das gilt nicht nur für Ribery, durch ihre eigene Taktik geschlagen. Dem sehr aufwändigen und laufintensiven Spiel der ersten Halbzeit wurde zum Ende Tribut gezollt. Die Kräfte waren verbraucht, die geistige Belastung stieg rasant an. Und dem war man nicht mehr gewachsen. Hinzu kamen wie so oft individuelle Fehler. Allen voran geht hier erneut Bastian Schweinsteiger, der völlig von der Rolle ist und vielleicht doch mal eine Pause bräuchte. Er spielt über kurze Distanz einen hohen Ball, so dass der kleine Pranjic Mühe hat, den Ball mit der Brust irgendwie vor dem Aus zu retten.

Natürlich musste auch dem dritten und entscheidenden Tor der Mailänder ein individueller Fehler voraus gehen. Ich will gar nicht so arg auf Breno einhauen. Was manche gestern bei Twitter im Eifer des Gefechts über Breno abgelassen haben, hat mich echt entsetzt. Er ist immerhin Spieler unseres Vereins. Das Spiel wurde im Angriff hergeschenkt, nicht durch Breno. Nebenbei angemerkt hatte Thomas Kraft am gestrigen Abend nicht ein einziges Argument gegen Manuel Neuer zu bieten. Das sportliche “Koan Neuer”-Schild hatte er gestern nicht im Gepäck. Das verlange ich natürlich auch nicht von ihm, aber manche sind ja der Meinung, dass Kraft schon jetzt viel besser sei… Gestern war er solide, aber nicht weltklasse.

Einen Vorteil hat dieses Ausscheiden vermeintlich. Schon auf dem Platz wurde offenbart, was im nächsten Transferfenster zu tun ist. Aber das glaubte man ja auch schon nach dem Finale im vergangenen Mai. Fest steht: mit dieser Abwehr wird man außerhalb Deutschlands nie etwas gewinnen können. Auch wenn bei manchen Mannschaften heutzutage Hurrafußball mit jungen Spieler möglich ist, beim FC Bayern braucht es mindestens zwei Routiniers im Team. Der eine in der Innenverteidigung, der andere im Mittelfeldzentrum. Goodbye Europa!

11 Kommentare

  1. mein beileid. solche niederlagen sind bitter. bzgl. des kraft-neuer-arguments. ich fand, dass er gestern ordentlich gehalten hat und ohne seine taten im hinspiel hätte der fcb überhaupt keine chance gehabt, jetzt noch weiterzukommen. es ist wie bei allen hoffnungsvollen talenten beim fcb. ihnen wird keine zeit gegeben, weil bayern komplette spieler braucht. traurig. ich weine immer noch toni kroos hinterher, der jetzt bei bayern wieder total verschenkt ist.

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  2. Du hast natürlich recht, im Hinspiel war das sensationell. Ich mag Thomas Kraft auch, könnte mir auch vorstellen, dass er es bei den Bayern packen kann. Aber ich halte Neuer einfach für besser und bin daher für einen Transfer, wenn dieser möglich wäre. Das war alles andere als ein Vorwurf an Kraft.

    Kroos kann wegen mir gern wieder zu euch kommen. Da gefiel er mir auch sehr gut. Bei Bayern kann man die guten Spieler aber leider an einer Hand abzählen. Ich sehe auch keinen Platz für ihn in der Mannschaft. Im Zentrum schon gar nicht, davor ist Müller effektiver.

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  3. Den Beitrag kann ich voll und ganz unterschreiben. Nach dem 0:1 stand mir zwar erstmal das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, doch bis zum 2:2 folgte dann ein erstklassiges Spiel.

    Dass es dann mal wieder so enden muss, wie so oft in letzter Zeit… da fehlen mir noch heute die Worte.

    Früher gewann man nicht sichere Spiele, heute verliert man eben die sicher geglaubten Spiele. :(

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  4. warum das geld für einen neuer, nicht in 1-2 gute verteidiger stecken? denn nach den robbens, gomez und ribérys dürfte die portokasse doch auch nicht mehr ganz so voll sein.

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  5. @jens Zwar kenne ich mich mit den Finanzen der Bayern nicht wirklich aus und lese auch die Bilanz nie, aber ich weiß, dass man von dem Geld aus der letzten Champions-League-Saison keine Spieler gekauft hat. Außer Gustavo natürlich. Da müsste nach dieser Milchmädchenrechnung satt was über sein, womit man Neuer und eine stabile Abwehr finanzieren kann. Diese 80-Millionen-Ausgaben gibt es ja ohnehin in der Regel zweijährlich. Im ersten Jahr um den Kader zu verstärken und auf den Putz zu hauen, nur um zwei Jahre später das mit viel Geld auszugleichen, was man im Jahr davor punktuell versäumt hat. ;)

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  6. Ásgeir Sigurvinsson

    16/03/2011 @ 10:30

    Kann Dir nur zustimmen.. vor allem finde ich gut, dass Du den Umgang mit Spielern ‘im Eifer des Gefechts’ ansprichst. Habe paule fuer seine Kulanz auf breitnigge dereinst heftig kritisiert: was da zum Teil an Kommentaren ueber Lell losgelassen wurde, war hochgradig asozial.

    Sehe das auch so, dass Kraft keine Gelegenheit hatte: Drei Schuesse, drei Tore…

    Und so sehr ich eigentlich Pro-Kraft bin/war (u.a. auch, weil ich Neuers seinen derzeitigen Arbeitgeben finaziell nicht unterstuetzen will), waere mir doch die Verpflichtung Neuers lieber (und nicht nur damit die ganzen Vollpfosten, die die Meinungshoheit der Bayern-Fans fuer sich okkupieren, einen vor den Latz bekommen): er ist schlichtweg der beste Torhueter im Land, und mit einer der besten weltweit. Also gehoert er zwischen unsere Pfosten.
    Dummerweise muss man derzeit abwarten, ob er nicht doch lieber auf die Insel geht.

    Die Personalie Kroos koennte in der kommenden Saison eine interessante werden, wenn Jupp Heynckes kommen sollte.

    Aber wer weiss…

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  7. Pingback: Der FC Bayern und die Saison 2010 / 2011: Das sagen die Fans! | Südkurve 72 - FC Bayern München

  8. Kraft und/oder Neuer ist doch eigentlich gar nicht die Frage. Schau dir nur mal das 1:1 von Frankfurt an. Auch Neuer ist nicht immer Weltklasse aber beide sind einfach Top. Ein Torwartproblem gibt es bei uns nicht.
    Wenn wir ihn also kriegen können und der Preis einigermaßen stimmt ist es doch gut. Wenn der Preis nicht stimmt haben wir immer noch Kraft.

    Aber was die Verteidigung angeht möchte ich nur mal erwähnen, daß die Großkopferten 30 Mio. Euro dafür, als Blankoscheck, zur Verfügung gestellt haben. Wir wissen auch alle mit welchem Ergebnis.

    Zum Glück wurde aber schon eingesehen, daß wir die tollen Talente aus Südamerika nicht mehr brauchen. Es kann also nur besser werden, wenn auch nicht für Giovane E. :p

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  9. hast du die si-kolumne von honigstein gelesen? da gibt es nochmal ein, zwei hinweise zur finanziellen situation der bayern. wenn ihr die cl schafft, alles in butter – euroleague täte wohl nicht so gut…

    http://bit.ly/eGhYoI

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  10. Pingback: Rette man, was gerettet werden kann | Baziblogger - ein Blog zum Stand des FC Bayern

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