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Immerhin Gruppensieger

Tabellenerster. Das ist so ziemlich das einzig Positive, was man nach dem gestrigen Spiel festhalten kann. Neben dem erneuten Doppelpack von Mario Gomez natürlich. Als es noch Zweinull stand, habe ich mir so gedacht, während andere Bundesligisten häufig international baden gehen und in der Liga gut stehen, ist es bei den Bayern im Moment anders herum. Von wegen. In der Pause muss Louis van Gaal der Mannschaft Narkose-ähnliches Zeug verabreicht haben. Nach einem wirklich sehenswerten ersten Durchgang und einem wie gegen Gladbach völlig sicher geglaubten Sieg, konnten die Römer nicht zuletzt Dank unserer Abwehr sogar am Ende zum Sieg kommen.

Beim entscheidenden 1:2 aus Sicht der Bayern trifft Tymoshchuk auch für meine Begriffe keine Schuld. Möglicherweise hätte er grätschen können. Rot hätte es dann nicht geben dürfen, weil es zumindest bei normalen Schiedsrichtern als taktisches Foul hätte gewertet werden müssen und nicht als Notbremse, zumal mindestens Demichelis in dem Moment noch hinten war. So hat man nach eigener Ecke einen Tor bringenden Konter kassiert.

Demichelis kreuzte nicht nur die Laufbahn des besser im Duell gewesenen Tymoshchuk, nein, er lässt sich danach auch mit einer leichten Bewegung überwinden. Anstatt dann dem Geschehen mit vollem Einsatz hinterher zu sprinten, trabte Demichelis lieber in aller Ruhe zum Strafraum und schaute zu. Er dachte sich vielleicht “jetzt kann der van Buyten mal zeigen, ob er noch was drauf hat”. Leider wurde van Buyten beim Pass von Menez getunnelt und für Borriello war es dann ein Leichtes, den Ball einzuschieben.

Das ist unsere Innenverteidigung. Der eine lässt sich mit einer kleinen Bewegung austanzen, der andere fängt sich einen Tunnel. Aber ein Tunnel kann jedem mal passieren, dass muss fairerweise gesagt werden. Trotzdem, van Buyten hätte eigentlich selbstbewusst in die Partie kommen müssen. Ich habe genau darauf geachtet: der erste Pass ging ungefährdet zum Mitspieler, er hätte also nach diesem sportlichen Erfolgserlebnis Aussicht auf eine solide Partie gehabt. Sei’s drum.

Sein argentinischer Kompagnon lieferte gestern mit einigen Szenen gutes Material für ein “Schlechtst Of”-Video, eine Wortschöpfung einer geschätzten und überaus begabten Musikgruppe. Einmal schoss er aus etwa 50 Metern aufs Tor und wusste somit für die nächsten drei Minuten die suchenden Balljungen zu beschäftigen. Ein anderes Mal wollte er eine Ecke rausholen und dabei an der Grundlinie seinen Gegner kräftig anschießen, so dass der Ball anschließend ins Aus geht. Mittelfeldspieler und Außenstürmer können das für gewöhnlich ganz gut. Man muss eigentlich nicht mal groß Einfallswinkel und Ausfallswinkel berechnen, das klappt mit ein wenig Spielintelligenz von ganz allein. Nicht aber bei Demichelis. Er schoss den Ball mit ganzer Kraft meilenweit ins Tor-Aus. Sah lustig aus, gibt es nicht so oft. Aber mit Champions-League-Niveau hat es leider auch nicht so viel zu tun.

Soweit zu den Innenverteidigern, die gehören halt beide ersetzt. Besser heute als morgen. Fast so negativ wie Demichelis fiel in dieser Partie auch Philipp Lahm auf. Seit seiner Vertragsverlängerung ist bei ihm der Wurm drin. Er spielt unnötige Fehlpässe, dass selbst ein Daniel van Buyten bei aller Routine in dieser Sache noch große Augen macht. Lahm machte über 80 Pflichtspiele am Stück für die Bayern. Ich weiß ja nicht, was so eine Pause von einem Spiel alles bewirken kann, aber vielleicht sollte man das bei Lahm mal ausprobieren. Vorerst wird das aber nichts. Lahm ist ja neben dem bombastisch eingeschlagenen Braafheid der einzige richtige Außenverteidiger im Kader.

Aufgrund des Fehlens von Schweinsteiger gab Louis van Gaal ganz offensichtlich vor, das Spiel über Außen zu gestalten und nicht über die Zentrale. Ribery war in der ersten Hälfte stark bemüht, hatte gute Szenen, aber auch viele Ballverluste. Mangelnde Spielpraxis, wird bald besser. Wenn er aber wirklich eines Tages den Ballon d’Or gewinnen möchte, muss da mehr kommen. Ich wage stark zu bezweifeln, dass sich die direkten Konkurrenten Messi und Ronaldo derart oft den Ball abnehmen lassen.

Über Toni Kroos kann ich nichts schreiben, von ihm habe ich außer ein paar ungefährlichen Fernschüssen und einer dummen gelben Karte nichts gesehen. Vielleicht lag es an der Spielausrichtung über Außen, vielleicht liegt es daran, dass Kroos bei den Bayern nie Fuß fassen wird, weil er einfach nicht ins Team passt.

Ein wirklicher Lichtblick war Torhüter Thomas Kraft bei seinem ersten Einsatz in der Königsklasse. Zwar verschuldete er den Elfer zum 2:3, hielt davor aber wirklich großartig und rette die Bayern so manches Mal. Bevor man einen neuen Keeper verpflichtet, sollte man Kraft ruhig noch öfters aufstellen. Ich bin da allerdings vorsichtig, Rensing wurde ja auch schon in die Nationalmannschaft geredet, bevor die Nummer 1 sein Trikot zierte. Ergebnis bekannt.

Naja, einen 2:0-Vorsprung sollte man normalerweise natürlich nicht hergeben, aber in ein paar Wochen fragt da kein Mensch mehr nach. Dass im Achtelfinale nicht die Barcelonas, Reals oder Chelseas kommen ist sicher. Auf einen Gruppenersten wird man nicht treffen, allein deswegen war die 2:3-Schlappe, die halt trotzdem den Gruppensieg nicht verhindert, nicht wirklich tragisch. Dass die Bayern aber nach der Halbzeit den Spielbetrieb nicht einstellen sollten, müsste bald mal durchgesagt werden.

1 Kommentar

  1. Nägel auf die Köpfe getroffen, danke! Beim Thema Abwehr bleibt einem nur noch die Spucke weg. Viele Spieler laufen ihrer Form hinterher. Die Akte Kroos ist für mich nunmehr geschlossen. Extrem bedenklich finde ich außerdem, dass wir nicht nur gestern, sondern seit gefühlten zehn Spielen mit dieser Einstellung aus der Pause kommen: So, alles im Sack, ab jetzt reichen auch 90%. Und prompt gibt’s fröhlichen Schwimmunterricht. Unglaublich.

    Mit diesem Cocktail müssen es nicht mal Barca oder Chelsea im Achtelfinale sein, da werden wir auch gegen 1B-Teams richtig Probleme kriegen, fürchte ich. :-|

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