web analytics
Artikelformat

Kompetenzgerangel scheinbar an der Tagesordnung

Als ich am Freitag über einen Kantersieg über Kaiserslautern schrieb, und dass man nach so vielen vergeudeten Großchancen vielleicht auch wirklich mal fünf Bälle im Tor versenken müsse, habe ich natürlich nicht geahnt, dass am Ende tatsächlich fünf Tore auf der Anzeigetafel zu Buche stehen. Vielleicht schreibe ich jetzt öfters mal ein bisschen überheblich, wenn es hilft… Ich konnte das Spiel leider nur über die Radiokonferenz bei NDR2 verfolgen, weil ich am Samstag verhindert war. Zum Spiel kann ich insofern nichts schreiben, außer dass Mario Gomez durch seine Bundesligatreffer 13, 14 und 15 mit dem Freiburger Top-Angreifer Papiss Demba Cissé gleich zog. Die beiden führen die Torjägerliste nun gemeinsam an.

Auch Arjen Robben war stark “on fire” und lieferte laut übereinstimmenden Berichten eine großartige Partie ab. Das 1:0 erzielte er selbst, am 2:0 war er stark beteiligt. Freunde, so kann es doch weitergehen. Bis auf Leverkusen ließ die Konkurrenz auf die Zielvorgabe, dem zweiten Platz am Ende der Saison, ordentlich Federn. Der zweite Platz wird die nächsten paar Spieltage hart umkämpft sein. Nach wie vor kann ich bei aller Achtung vor der Saisonleistung der Hannoveraner und Mainzer nicht daran glauben, dass das bis zum Ende so bleibt. Dann irgendwann, etwa um den 26. Spieltag herum, werden die Bayern und Leverkusen diese direkte Qualifikation für die Königsklasse unter sich ausmachen, bis die Bayern dann frühzeitig unmittelbar qualifiziert sind und mit etwas Glück vielleicht doch noch in den Titelkampf eingreifen. Das kommt aber freilich auf die Dortmunder an, an denen führt kein Weg vorbei. Für diese tolle Saison hätten sie den Titel schon jetzt verdient.

Obwohl den FC Bayern wieder ein bisschen mehr Optimismus umgibt, sorgen die Alphamännchen weiterhin für hausgemachten Ärger. Zum wiederholten Mal halten sich die Herrschaften nicht an ihre eigene Abmachung, Kritik intern zu äußern. Uli Hoeneß polterte wieder in der Öffentlichkeit los und setzte Trainer van Gaal erneut unter Druck. Kernaussage war, dass die Stimmung in der Mannschaft noch so toll sein kann, wichtig sei der Tabellenplatz. Und der stimmt im Moment nicht. Das Interview von Hoeneß wurde allerdings vor dem Spieltag veröffentlicht.

Wo die Dickschädel Hoeneß und van Gaal schon allein ausreichend Spannung für einen großen Knall erzeugen könnten, kommt nun auch noch Christian Nerlinger hinzu und stärkt den Präsidenten. Nerlinger, im Internet gern mal “Lehrlinger” genannt, kündigte an, dass Ribery wohl später als angenommen wieder spielen könne, woraufhin van Gaal sagte, dass das doch kaum Nerlingers Bier sei. Dieser wiederum tat die Aussagen des Trainers als lächerlich ab und verwies darauf, nicht nur direkter Vorgesetzter des Trainers zu sein, sondern durchaus auch in sportlichen Fragen Kompetenzen zu haben.

In der Außendarstellung ist der FC Bayern in dieser Saison vor allem eins: Hoffnungslos lächerlich. Was die Herren sich da über die Presse für armselige Schlachten liefern, geht echt auf keine Kuhhaut mehr. Und ich kann van Gaal absolut verstehen. Auf seiner Habenseite in aktuell ausgeführter Funktion stehen sieben Meistertitel in drei Ligen, drei Pokalsiege in drei Ligen und weitere Titel wie Supercup, UEFA Cup und natürlich der Gewinn Champions League mit Ajax Amsterdam. Dem gegenüber steht nicht so viel, was Christian Nerlinger in seiner Tätigkeit als Sportdirektor erreicht hat. Die jüngsten Titel wie Meisterschaft und Pokalsieg, oder das Erreichen des Finales der Champions League gehen eher auf das Konto des Trainerstabs und natürlich der Mannschaft.Logisch, Nerlinger macht das noch nicht so lange, aber ganz so weit, sollte er sich lieber nicht aus dem Fenster lehnen.

Nerlinger könnte man eher an Transfers messen. Hier ist man nach wie vor vergeblich auf der Suche nach einem Linksverteidiger. Einer kostet mehr, als man ausgeben möchte, einen anderen konnte man nicht überzeugen, statt beim FC Everton bei einem Weltverein zu spielen. Die Geschichte um Manuel Neuer ist zwar schwer einzuschätzen, aber auch hier gibt es nichts, was Nerlinger sich auf seine Erfolgsbilanz schreiben könnte. Und wenn dann mal ein Spieler kommt, dann ist das scheinbar Chefsache. Dann setzen sich Kalle Rummenigge und Dietmar Hopp zusammen. War Nerlinger zu den Verhandlungen überhaupt eingeladen? Durfte er nur zuhören, oder auch mitreden? Ich weiß es nicht. Jedenfalls braucht Louis van Gaal vor seinem Sportdirektor nicht vor Ehrfurcht zu erstarren. So viel hat der noch nicht  erreicht und geleistet. Er muss ihn respektieren und akzeptieren, das ist natürlich ganz klar. An Hierarchien muss sich auch Louis van Gaal richten.

Diese ewige Kritik am Trainer, die sich jetzt seitens des Vorstandes und Christian Nerlinger alle drei Wochen wiederholt, ist dermaßen peinlich. Warum entlässt man ihn denn nicht endlich, wenn die Zusammenarbeit mit ihm so beschwerlich ist? Weil die Mannschaft bedingungslos hinter ihrem Trainer steht und er im sportlichen Bereich, was unter seiner Leitung steht, doch ziemlich viel richtig macht? Wenn Dortmund in einer nahezu perfekten Saison kaum Punkte verschenkt, die eigene Mannschaft mehr Chancen auslässt, als verwertet und verletzungsbedingte Ausfälle nicht kompensiert werden können, weil man die Mannschaft stärker redet als sie ist und man von wichtigen Transfers, die den Konkurrenzkampf aufrecht erhalten, absieht, dann ist das alles ganz bestimmt nicht nur die Schuld des Trainers. Vielleicht sollte Hoeneß sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Meisterschaft in dieser Saison nicht über die Bayern führt, sondern über eine andere Mannschaft. Von allein wird das in diesem Jahr nichts mehr. Wer auf andere so angewiesen ist, braucht sicherlich nicht am lautesten trommeln.

In erster Linie sollten Hoeneß und Nerlinger sich langsam mal ein bisschen zurück halten. Wenn man beschließt, Kritik intern zu üben, um in aller Ruhe hier und da optimieren zu können, dann wäre es doch das allerbeste, wenn man sich – so wie es der Trainer macht – an diese Abmachung hält.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*