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Lahm, Schweinsteiger & Co.: Keine Siegergeneration

Vollständige Fassungslosigkeit. Didier Drogba läuft einmal im Kreis, kurze Zeit später bildet sich am Fünfmetereck vor der Bayernkurve eine blauweiße Jubeltraube. Der FC Chelsea hat in diesem Moment die Champions League gewonnen. Bayern München hat es nicht geschafft, bei etwa 40 Schüssen, 20 Ecken und eindeutigen Ballbesitzzahlen das Spiel rechtzeitig zu entscheiden. Das Spiel wurde zwar im Elfmeterschießen entschieden, verloren wurde es aber in den ersten 90 Minuten. So eine schon peinliche Wirkungslosigkeit am gegnerischen Tor wird eben doch meistens bestraft. Nach dem Spiel war ich aufgrund dessen auch eher wütend als enttäuscht. Man hatte alles selbst in der Hand, hätte Chelsea einen denkwürdigen Kantersieg verpassen können, aber dafür fehlte am Samstagabend – wieder mal – die erforderliche Effizienz. So bleibt leider nur die Erkenntnis, dass die Bayern schlichtweg unfähig waren, so ein selten einseitiges Finale zu gewinnen.

Mit den Einzelleistungen war ich größtenteils sehr zufrieden. Vom abservierten Mario Gomez, der immerhin anfangs an ein paar sehenswerten Ballstafetten beteiligt war, mal abgesehen, war ich lediglich von Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos enttäuscht. Das ist einfach keine Doppelsechs, die für schnelles Offensivspiel taugt. Von der Defensive gar nicht erst zu sprechen, wird das Münchner Mittelfeld (ohne Luiz Gustavo) bei nahezu jedem Konter, jedem Angriff ohne nennenswerte Gegenwehr schnell überwunden. Am Samstagmittag schaute ich auf Sat1 zwischendurch bei Paul Breitners Altherrenspiel im Olympiastadion zu und fühlte mich bei Kontern über Schweinsteiger oder Kroos genau daran erinnert. Spielverlangsamung pur, keine Spur von schnellem Spiel nach vorn. Kroos, dem in jedem Spiel Torgefahr und eine ach so überragende Schusstechnik nachgesagt wird, der dabei aber einen Ball nach dem nächsten jenseits des Tores vom Spielfeld drischt, taucht ohnehin regelmäßig ab, Schweinsteiger sucht nach seiner langen Verletzung noch immer beinahe schon bemitleidenswert Form, Selbstvertrauen und Zuverlässigkeit. Auch wenn  ganz Fußballdeutschland versucht, bei ihm Aufbauarbeit zu leisten, muss man doch feststellen, dass er in zuletzt gezeigter Verfassung alles andere als der verlässliche, souveräne Stratege im Mittelfeld ist. Von den ohnehin zuletzt vornehmlich gespielten Sicherheitspässen landen ständig auch noch zahlreiche beim Gegner, Zweikampfstärke kann man aktuell auch kaum mit dem Namen Bastian Schweinsteiger verbinden. Aber dieses Risiko besteht leider, wenn ein Spieler lange ausfällt, nicht adäquat ersetzt werden kann und ohne Spielpraxis und Rhythmus in diese wichtigen Spiele geschickt wird. Gewinnt man das Spiel, ist das alles für den Moment natürlich komplett egal, verliert man es aber, kann dem schnell Bedeutung zukommen. An der Einstellung hat es Schweinsteiger auch bestimmt nicht gefehlt; Interviews gibt er immer wie ein Siegertyp. Nur folgen darauf keine Taten, keine Ergebnisse.

Es sieht so aus, als wäre die Generation “Lahmsteiger” einfach keine Siegergeneration. Das lässt sich auch gut auf die Nationalmannschaft übertragen, in der es hierarchisch ganz ähnlich zugeht, wie beim FC Bayern. Nur ist der letzte Erfolg da inzwischen sechzehn Jahre her – beim FC Bayern nur elf.  Man spielt in letzter Zeit häufiger um große Titel mit, gewinnt aber keinen. Die Meisterschaft und den Pokal holt man in München schon mal, dazu braucht es in der Regel nicht viel mehr als einen Dreijahresvertrag. Für den ganz großen Wurf hat es bislang aber nicht gereicht. Vor zwei Jahren war man Inter taktisch gegenüber völlig blank, sah über die vollen 90 Minuten chancenlos aus. So ein Spiel kann dann ohne Schande verloren werden. »Möge der bessere gewinnen«, heißt es nun mal. Das Spiel am Samstag aber, das entfacht einfach nur Enttäuschung und Unverständnis. Bei so einem Spielverlauf sogar Wut. Wenn man ein Fitzelchen Gutes aus diesem Finale mitnehmen möchte: eine größere Enttäuschung kann es für Bayern München und seine Fans so schnell kaum mehr geben, als den großen Traum, dem des Finales im eigenen Stadion, zu erreichen, über 120 Minuten die ohne jeden Zweifel bessere Mannschaft zu sein, aber nach Elfmeterschießen den  anderen beim Feiern zuzuschauen.

Nach oder während der EM, die einem dieser Tage so herzlich egal erscheint, muss der Kader massiv verstärkt werden. Zahlreiche Spieler verlassen den Verein, wollen ersetzt werden. Und künftig dann bitte nicht mit Brenos, Usamis, Petersens und Pranjics, sondern mit Spielern, auf die Verlass ist, wenn sie eingesetzt werden und die überhaupt Nähe zur Stammelf haben. Die Zeiten, in denen man mit Durchschnitt auf der Bank etwas gewinnt, scheinen vorbei zu sein. Bekanntlich kommen Xherdan Shaqiri, Dante und wohl auch Claudio Pizarro. Handlungsbedarf sehe ich zudem in der Außenverteidigung und im Mittelfeld. Sowohl auf der Sechs, als auch auf der Zehn. Und bitte arbeitet auch an der Chancenauswertung.

3 Kommentare

  1. Leider ist Deutschland mittlerweile eine Nation der Verlierer, bzw. aktuell eben eine Generation der Verlierer. 1996 und 2001 waren das Ende. Mit dem Riesenlooserjahr 2002 begann dann endgültig der Niedergang. Das muss man sich mal vorstellen! In einem Jahr verkackt eine deutsche Mannschaft das Champions-League-Finale und wenige Wochen später verlieren wir das WM-Finale! Und seit dem geht nichts mehr. Egal ob Vereinsmannschaften oder das Nationalteam – seit 2001 haben wir ALLE entscheidenden Spiele verloren.

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  2. Nur ein kleines Gedankenspiel am Rande dass womöglich eine sehr große Schwachstelle dieser Mannschaft aufzeigt:
    Hätte man vor dem Spiel die Stürmer der beiden Mannschaften getauscht (also Gomez zu Chelsea und Drogba zu Bayern) wäre das Spiel mit schätzungsweise 4:0 für Bayern ausgegangen…

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  3. Pingback: Finale dahoam, leider verloan – red12.de

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