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Magie, die

Drittes Spiel, dritter Sieg, der Nächste bitte. Und danke an alle, die die frühe Tabellenführung mit ermöglicht haben. Mit einem solch gehobenen Selbstverständnis könnte der FC Bayern vor rund einem Jahr den Saisonstart wahrgenommen haben, als die Auftaktpleite gegen Gladbach verdaut war und man daraufhin sechs Siege in Serie einfuhr. Die Bayern spielten irgendwann, als glaubten sie, die Spiele ließen sich von ganz allein gewinnen und irgendwann, kurz nach der Winterpause, lief man dann bereits den Dortmundern hinterher, die sich bekanntlich nicht mehr einholen ließen. Kann durchaus Tücken haben, so ein famoser Aufgalopp, den man in diesem Jahr, nach drei Spielen erneut zu erwischen scheint.

Am vergangenen Samstag zum Beispiel. Der Spektakel erwartende Zuschauer, der im Spiel gegen Mainz nach elf Minuten anfing, genüsslich die Hände zu reiben und weiterer, in Kürze folgender Tore zu harren, war vermutlich ein bisschen enttäuscht, als die Bayern dann merklich Tempo aus dem Spiel herausnahmen. Aber er wird sicherlich Verständnis dafür haben, wenn er bedenkt, dass dieses Spiel es zu dem Zeitpunkt einfach zuließ, eine schonendere Gangart einzulegen. Ein frustrierter Doppelwechsel nach 37 Minuten (!) spricht Bände, bei den Mainzern stimmte einfach gar nichts und das bleibt dem Gegner dann auch kaum verborgen, so dass man sich und den eigenen Fans entweder einen mit größerem körperlichen Aufwand verbundenen rauschenden Nachmittag beschert, oder eben mit den Kräften etwas haushaltet, weil am Mittwoch auch in der Champions League schon wieder die ersten wichtigen Punkte ausgespielt werden. Insofern haben die Bayern mit dieser Spielweise eigentlich alles richtig gemacht. Mich haben sie übrigens völlig müde gespielt, ich habe mir mit dem Pausenpfiff einen Wecker für in fünfzehn Minuten gestellt und schreckte auf, als dieser klingelte, weil ich tatsächlich  in der kurzen Zeit eingeschlafen war…

Schon aufmerksamer, da angespannter, konnte man dann verfolgen, wie die Mainzer nach dem Anschlusstreffer per Elfmeter noch einmal ihre Chance witterten und für eine kurze Weile das Zepter in der Hand hielten. Glücklicherweise hat dieses leichte Hoch nicht zum Ausgleich geführt. Und dann war zum zweiten Mal etwas zu erleben, was ich bis vor dieser Saison gar nicht kannte: Mit größter Spannung erwartete ich dann, wie Javi Martínez eingewechselt wurde und wie er sich auf dem Platz verhielt. Und am liebsten hätte ich permanent aus der Totalen betrachtet zugeschaut, weil ich ohnehin nur auf Martínez achtete.

Obwohl völlig klar ist, dass er für die gewaltige Ablösesumme nichts kann und diese nicht seinem reellen Marktwert entspricht und und und und und, schwingt das doch ein wenig mit und ich habe mich dabei ertappt, wie ich außergewöhnliche Dinge von ihm erwartet habe. Und vielleicht hat der ganze Hype um diesen Spieler die Wahrnehmung beeinflusst, aber ist es nicht irgendwie schon ein bisschen wundervoll, wie er die Bälle spielt, wie er Zweikämpfe angeht und wie bemerkenswert er das Spiel lesen kann? Ich kann es auf keinen Fall gutheißen, dass mich diese Begleitumstände offenbar mittelschwer beeinflussen können, aber verdammt, dieser Spieler hat doch was Magisches! Das ist ungefähr so, wie wenn man unter Zehntausenden vor einer großen Konzertbühne steht, eigentlich ausnahmslos alle um einen herum den Namen der gleich auftretenden Band schreien und dichter Nebel die Bühne längst geflutet hat. Wenn die ersten verzerrten Gitarren ertönen und die Protagonisten so langsam im Dunst erkennbar werden und man weiß: Jetzt wird es wild, hier sind SLAYER!

Doch zurück in die Allianz-Arena – der ursprünglich mal erwähnte Javi Martínez zeigte dann nicht weniger als den perfekten Auftritt. Hier einen Ball entschieden aber einwandfrei abgegrätscht, jeden Zweikampf gewonnen, nicht einen Ball zum Gegner gespielt und am Ende noch den Siegtreffer mit einer punktgenauen Flanke vorbereitet. All das in rund fünfzehn Minuten, in denen man natürlich eher mal fehlerfrei spielen kann, als über die volle Spielzeit, keine Frage. Aber das machte sehr große Lust auf mehr; man darf sich freuen, wenn Martínez bald mehr Spielzeit erhält. Ich glaube, er tut dem Bayernspiel richtig, richtig gut.

Am Mittwoch treffen die Bayern dann auf den FC Valencia, vielleicht wieder mit Franck Ribéry und Arjen Robben, die gegen Mainz relativ kurzfristig ausgefallen waren. Und womöglich auch mit Javi Martínez, dem das Spiel der Valenzianer bestimmt nicht gänzlich unbekannt ist. Und alle können zugucken: Erstmals überträgt das ZDF die Champions League. Wie bislang auch von Sat1 gewohnt, wird weiterhin jeden Champions-League-Mittwoch ein Spiel mit deutscher Beteiligung übertragen. Zur Premiere, Bayern gegen Valencia, führen Oliver Welke und Oliver Kahn durch den Abend, Béla Réthy kommentiert das Spiel. Und Javi Martínez wird bestimmt groß aufspielen, aber ich muss jetzt lieber Schluss machen.

4 Kommentare

  1. Martinez mit Slayer zu vergleichen… hm, nun ja. ;-)

    Aber ansonsten geht’s mir ähnlich, ab seiner Einwechslung habe ich fast nur auf ihn geschaut. Ich bin auch sehr gespannt, wie es dann aussieht, wenn er von Anfang an spielt. Die späte Einwechslung deutet aber mMn eher darauf hin, dass er gegen Valencia noch nicht in der Startelf steht.

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  2. Es wird ja weniger Martínez mit Slayer verglichen, als dieses Magische, das irgendwie beide umgibt, wenn sie ihrer Berufung nachgehen. ;)

    Ob er am Mittwoch dann von Beginn an spielt, lässt sich wirklich nur schwer einschätzen. Heynckes hat nicht unrecht, wenn er sagt, dass alle anderen ebenfalls gute Leistungen bringen und es daher nicht einfach einen anderen Spieler herausnehmen kann. Ich bin gespannt. :)

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  3. Pingback: Die Blogschau für Montag, den 17.September 2012 | Fokus Fussball

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