Nach einer halben Ewigkeit beenden die Bayern nach vier Ligaspielen wieder einen Spieltag an der Tabellenspitze. Das gab es in der ganzen vergangenen Spielzeit nicht. Wie das jedoch so früh in der Saison zu bewerten ist, kann jeder für sich selbst herausfinden. Am besten ist das wahrscheinlich für die Bayern selbst, die als Gejagter häufig einfach überzeugender sind, denn als Jäger. Zusammen mit Schalke und Bremen steht der FC Bayern bei neun Punkten, hat dabei das beste Torverhältnis. Nicht zuletzt, da man sich in den gespielten vier Partien lediglich ein Gegentor eingefangen hat. Aber ist die Defensive wirklich so gut, wie das Classement sagt?
Ich habe meine Zweifel. Natürlich freut es mich, nach zahllosen Aussetzern in der unter van Gaal beinahe stiefmütterlich behandelten Defensive, derart gut dazustehen. Aber es ist auch nicht so, dass die Gegner den Bayern den Strafraum geradezu eingerannt hätten. Im Grunde genommen hatten alle bisherigen Gegner offensiv nicht viel zu bieten. Dies gepaart mit dominanten Ballbesitzzahlen führt dann schon mal zu guten Werten in der Torbilanz. Wenn jedoch der Gegner auch nach vorn ordentlich mitspielt und – sorry – Daniel van Buyten weiterhin in der Innenverteidigung spielt, dann wird es ruckzuck mal rappeln im Karton. Es gab so manche Spielsituation, in der die Abwehr gewiss nicht so imposant aussah, wie das Torverhältnis den Eindruck erwecken könnte. Ich sehe van Buytens Zeit schon ein Weilchen abgelaufen. Jeder Gegner weiß, dass er spielerisch mit wenig Aufwand durchaus zu überwinden ist. Vermutlich hat sein Kopfballtor gegen Hamburg für seine Wiederaufstellung gesorgt. Wie gesagt, defensiv muss man bei ihm eher aufschrecken, wenn der Gegner mal am Zug ist. Gut, dass das bislang noch nicht so häufig vorkam.
Zwar ist es noch früh in der Saison, aber es ist schon ein Hohn, dass die beiden für rund 20 Millionen Euro verpflichteten Verstärkungen für die Abwehr derzeit beide nicht (auf ihren Positionen) spielen. Ob Rafinha zu Saisonbeginn wirklich zwei Spiele lang geschont werden muss, halte ich für ebenso fraglich wie aufgrund seiner Leistungen unverständlich. Wo aus meiner Sicht Boateng hingehört, oder viel mehr sein Konkurrent nicht, dürfte aus dem letzten Absatz hervorgegangen sein. Ohnehin machte Jerome Boateng einen wirklich guten Eindruck im Abwehrzentrum. Ich kann die momentane Ausrichtung nicht verstehen. Aber im Fußball heißt es nunmal: stimmen die Ergebnisse, hat der Trainer immer Recht. Oder hat Jupp Heynckes, der Fuchs, all das voraus sehen können, und einem van Buyten oder Tymoshchuk in Spielen gegen diese doch arg schwachen Kontrahenten zum Beilaunehalten den Vorzug gegeben? Das hätte was, der Glaube daran fehlt aus logischen Gründen jedoch.
Mit dem Saisonstart – ein kleines Fazit darf nach sieben Pflichtspielen (sechs Siege, eine Niederlage) sicher jetzt gezogen werden – kann man aber absolut zufrieden sein. Im Pokal hat man der von manchen schon zum Geheimfavoriten erklärten Eintracht Braunschweig ganz deutlich gezeigt, wie es ist, wenn ein Zweitligaaufsteiger dann gegen den Rekordmeister antritt. Die Champions League wurde souverän, ohne jede Gefahr in der Qualifikation erreicht. Das Rückspiel war zwar stinklangweilig, aber lieber so, als am Ende doch noch zittern. Mehr war schlichtweg nicht erforderlich. Und in der Liga, tja, da kann Jupp Heynckes alle Argumente aus der Tabelle ablesen.
