Mit einer tollen Mannschaftsleistung, dem nötigen Einsatz und allem was dazu gehört, konnte Real Madrid am gestrigen Abend mit 2:1 besiegt werden. Dabei war das Gegentor sogar zum Zeitpunkt des Geschehens reichlich unnötig und vor allem ärgerlich, weil es eine Verkettung von Fehlern war, die im gegnerischen Strafraum bereits anfing. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Bayern das Zepter absolut in der Hand hielten und wesentlich besser und entschlossener aus der Pause kamen als der Gast. Anders als in Dortmund, wo es ganz ähnlich war, führten die Bayern gestern aber zum Glück schon, so dass sie nicht in Rückstand gerieten und nicht sonderlich nervös wurden. Den Ausgleich hat die Mannschaft toll weggesteckt, Kompliment!
Lügen strafte der FC Bayern gestern all jene Experten, wie etwa Günter Netzer, nach deren Meinung alle elf Akteure zu 100% an ihre Leistungsgrenze gehen müssten, um Real Madrid besiegen zu können. In Wahrheit war Bastian Schweinsteiger ein Totalausfall, der der Mannschaft nach langer Verletzungszeit aus naheliegenden Gründen nicht nur nicht helfen konnte, sondern ihr zum Teil mit Fehlern noch geschadet hat. Das ist alles verständlich, wenn man rund ein halbes Jahr nicht spielen konnte. Jedoch war es nur richtig, dass Jupp Heynckes ihn dann nach 60 Minuten aus dem Spiel genommen hat, auch wenn Schweinsteiger reichlich von den Socken war, als er die ihm angestammte Nummer 31 auf der Anzeigetafel des vierten Offiziellen sah. Ich hoffe, dass Schweinsteiger in Bremen eine ansprechende Leistung zeigt, um in erster Linie Selbstvertrauen zu tanken. Spielt er annähernd so, wie man es von ihm fordert bzw. kennt, ist er aus der Bayernmannschaft nicht wegzudenken – keine Frage. Aber in der aktuell präsentierten Verfassung muss man überlegen, ihn in derart wichtigen Spielen überhaupt aufzustellen. Das kann auch böse nach hinten losgehen und dann bleiben dem Trainer wenig Argumente.
Trotzdem bin ich noch immer stark begeistert vom gestrigen Auftritt der Bayern. Allen voran Franck Ribéry spielte bärenstark und zeigte endlich, dass er auch in Spielen dieser Güteklasse vorweg marschieren kann. Er war der beste Mann auf dem Platz. Sein Partner auf der linken Seite, David Alaba, machte ein erneut hervorragendes Spiel. Bei ihm war ich mir vorher etwas unsicher, ob er in einem solchen Spiel, gegen diese unheimliche Offensivkraft Real Madrids bestehen könne. Er konnte.
Besonders gefiel mir, dass die Bayern endlich den Eindruck machten, sich nicht nur auf ihre zweifellos vorhandene individuelle Klasse zu verlassen, sondern ein Spiel endlich auch taktisch mal sehr clever anzugehen, was man so oft vermisste. Die Bayern schienen ideal auf Madrid eingestellt gewesen zu sein. Reals Taktgeber Xabi Alonso wurde nahezu komplett aus dem Spiel genommen. Er wurde geschickt zugestellt, sobald die Abwehr den Spielaufbau einleiten wollte, was häufig dergestalt ist, den Ball aus der Abwehr heraus zügig auf Alonso zu spielen, der dann alles weitere schon veranlassen wird. Was er auch unverschämt gut kann – wenn man ihn denn lässt. Auch Cristiano Ronaldo konnte nicht besonders glänzen, fiel in erster Linie durch die Vorbereitung seiner Freistöße auf, weil die Regie daran allergrößte Freude hatte und stets zeigte, wie er eisern die antrainierte Schrittreihenfolge einhielt und für optimale Standfestigkeit breitbeinig stehend auf die Freigabe des Referees zur Ausführung des Freistoßes wartete.
Wenn die Bayern im Rückspiel am kommenden Mittwoch eine ganz ähnliche Leistung abrufen können, darf man vorsichtig optimistisch sein, dass der große Traum der Finalteilnahme im eigenen Stadion Wirklichkeit wird. Bis dahin sind es aber noch mindestens 90 Minuten harter Arbeit. Und es ist zu hoffen, dass das ein faires Rückspiel wird; den Bayern drohen ansonsten vier, fünf Gelbsperren in einem möglichen Finale.
Das letzte Mal, als die Bayern die Champions League gewinnen konnten, verloren sie zwei Jahre zuvor das Finale. Bekanntlich knapp und dramatischer wie es vielleicht nie mehr sein wird. Die letzte Finalpleite des FC Bayern ist nun auch schon wieder zwei Jahre her. Ich finde, Geschichte sollte sich in diesem Jahr wiederholen.
