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Muss das sein, FC Bayern?

Mein lieber Scholli. Ich hatte ja mit vielem gerechnet. Dass es ein Kantersieg wird, weil Arsène Wenger angeblich seine Stars schonen wollte. Oder mit einer ruhigen, souveränen Kugel. Aber doch nicht damit, dass die Bayern gestern Abend womöglich aus der Champions League geflogen wären, wenn das Spiel fünf Minuten länger gedauert hätte. Der Schlusspfiff war das schönste Geräusch des gestrigen Abends. Auch mit einer Portion Schlaf danach will es mir nicht gelingen, das gestrige Spiel gedanklich abzuhaken. Dabei müsste das doch ganz einfach sein, immerhin war das Hinspiel in London so gut, dass im Rückspiel selbst eine 0:2-Niederlage die Bayern nicht stürzte. Und dann wäre da ja auch noch das sprichwörtliche gute Pferd… Dennoch: wäre es die erste Vorstellung dieser Art gewesen, wäre das auch noch okay. Einfach, weil die Niederlage zu verschmerzen ist, da man ja trotzdem die Runde der letzten Acht erreicht hat, und weil jeder mal einen schlechten Abend erwischt.

Es war aber eben nicht die erste Vorstellung dieser Art, sondern schon die dritte in Folge. Jedes der letzten drei Spiele konnte man als Fan vorab ohne weiteres als vermeintlichen Selbstläufer abtun. Die Mannschaft würde es schon richten. Irgendwo hat sie das ja auch, immerhin gingen Hoffenheim und Düsseldorf ohne Punkte vom Feld und Arsenal ist im Gegensatz zu den Bayern gestern Abend aus dem Wettbewerb geflogen. Und ob man gegen die zwei Kandidaten des Abstiegskampfes nur mit einem Tor Differenz gewinnt, will am Ende auch keiner mehr wissen. Aber während die Medien in Deutschland seit Wochen unverblümt vom Triple reden, macht es mir langsam Sorgen, dass die Bayern in den letzten paar Wochen entweder nicht anders wollen, oder – unter Beachtung der miserablen Chancenauswertung – nicht besser können. Bitte nicht falsch verstehen, das mag sich nach Klagen auf hohem Niveau anhören, wenn man sieht, wie die Bayern in allen drei Wettbewerben stehen, aber die Leistungskurve geht zuletzt deutlich nach unten und gewonnen ist logischerweise auch noch nichts. Lässt man zudem nicht von der Hand zu weisende Spannungen im Verein in die aktuelle Bewertung einfließen, kann man schnell mit Uli Hoeneß konform gehen, der nach dem gestrigen Spiel deutlich warnte, dass es »fünf vor zwölf« sei.

Die Mannschaftsleistung hat mir gestern zwar überhaupt nicht gefallen. Aber zu beachten ist, dass mit Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry zwei der Spieler mit den für gewöhnlich meisten Ballkontakten (und Ideen) nicht auf dem Feld standen. Das wirkt sich schon auf die gesamte Spielgestaltung aus, da kann der Kader noch so toll besetzt sein, Stammpersonal ist einfach Stammpersonal. Vielleicht ist die Mannschaft zuletzt auch ein bisschen überspielt, man könnte es ihr ja gar nicht übel nehmen. Die nächsten beiden Wochen kehrt ein wenig Ruhe ein, der Doppelbelastung ist man erst Anfang April wieder ausgesetzt, am 2. und 3. April finden die Viertelfinal-Hinspiele der Champions League statt, bis dahin ist nur Bundesliga. Abschließend bleibt immerhin festzuhalten: Wenn es drauf ankam war die Mannschaft in dieser Saison noch immer Herr der Lage. Hoffentlich bleibt es so.

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Ohne Dante und Martínez wäre alles doof

Da läuft endlich die K.O.-Phase in der Champions League und trotzdem fühlt es sich vor dem heutigen Achtelfinalrückspiel eher an wie Gruppenspiel. Zu deutlich scheinen die Unterschiede zwischen Bayern München und dem FC Arsenal zu sein, zu unrealistisch erscheint es, dass die Engländer 3:0 oder 4:2 gewinnen. Wie so häufig würde das berühmte frühe Tor schon vieles erleichtern. Gingen die Bayern also recht flott mit 1:0 in Führung, würde das den Gästen aus London sicher den letzten Wind aus den Segeln nehmen. Immerhin steht Arsenal dem FC Bayern gegenüber und nicht dem FC Reading, so viel Zuversicht muss gestattet sein.

In Sorge bin ich eigentlich nur aufgrund der drohenden Gelbsperren für Dante und Javi Martínez, die am Abend wohl beide auflaufen werden und das mit jeweils zwei Gelben Karten im Nacken. Zuletzt zeigte sich, dass beide Neuverpflichtungen bereits in ihrer ersten Saison zu wichtig für die Defensive der Bayern sind, als das man beruhigt sagen würde »Ja mei, dann spuit im Viertelfinale hoit a anderer«. Vorsicht ist also geboten, idealerweise schafft man zügig klare Verhältnisse und bedeutet dem FC Arsenal somit, dass man sich hier gar nicht erst groß bemühen muss. Würde einer der beiden (oder schlimmstenfalls beide) im Viertelfinale in einem möglichen Viertelfinale gesperrt sein, wäre das äußerst bitter, man erinnere sich nur an das jüngste Spiel gegen Düsseldorf, wo die Abwehr phasenweise völlig unkoordiniert wirkte. Das gilt es zu vermeiden und das wird für mich mitunter die spannendste Angelegenheit des Spiels sein.

Beim FC Bayern werden Franck Ribéry und Bastian Schweinsteiger fehlen. Ribéry hatte sich im Spiel gegen Düsseldorf eine Verletzung zugezogen, Schweinsteiger hatte sich im Hinspiel gegen Arsenal zwar nur ein harmloses Foul geleistet, bekam die dritte Gelbe aber doch noch wegen Meckerns. So wie es aussieht, hat er das ganz gut getimed. Für ihn rückt wohl Luiz Gustavo ins Mittelfeld, der zuletzt nicht außerordentlich brillierte, aber in der Champions League für gewöhnlich mindestens sehr zuverlässig spielt. Anstelle von Franck Ribéry dürfte Arjen Robben in die Mannschaft kommen, der gemeinsam mit Toni Kroos und Thomas Müller das offensive Mittelfeld bilden würde. Man könnte zwar auch Xherdan Shaqiri im linken Mittelfeld aufbieten, aber dann würde zum einen Arjen Robben ziemlich traurig sein und zum anderen fielen mir nicht viele Gründe ein, warum Shaqiri den Vorzug erhalten sollte. Von ihm hatte ich mir ein bisschen mehr erhofft, auch wenn er zweifelsohne schon gute Spiele für den FC Bayern absolviert hat. Vielleicht kommt von ihm im Laufe der Zeit aber noch mehr, er ist jung und erhält ja nun auch nicht die große Spielzeit, so dass er geradezu über sich hinauswachsen könnte.

Beim FC Arsenal fehlen mit Jack Wilshere und Lukas Podolski zwei ganz wichtige Spieler verletzungsbedingt und wie man hört, sollen obendrein Per Mertesacker, Theo Walcott und Santi Cazorla geschont werden, damit es in der Liga vielleicht doch noch etwas mit der Champions-League-Qualifikation für die kommende Saison wird. Ich bin gespannt, wie Arsenal am Abend auftreten wird. Und interessieren würde es mich, wie Arsène Wenger seinen übrigen Spielern vermitteln will, dass man hier unbedingt gewinnen wollen muss, wenn man in so einem Spiel ohne Not auf Leistungsträger verzichtet. Aber das soll uns mal nicht weiter stören.

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Ein ernst gemeintes »Danke« dem BVB

Nach der bitteren Serie von fünf Niederlagen gegen den BVB sind die Bayern seit nunmehr drei Spielen ungeschlagen. Den Supercup, das erste Pflichtspiel der Saison, hat Bayern gewinnen können (dennoch ist es schade, sich an diesen nebensächlichen Cup überhaupt klammern zu müssen, wenn es um Fakten geht…), in der Liga trennte man sich remis und im Pokal konnten die Bayern gestern das Ticket zum Halbfinale lösen. Und das schönste daran: Bayern war in einem richtig starken, attraktiven Spiel in allen Belangen die bessere Mannschaft und fuhr den 1:0-Sieg vollkommen zurecht ein.

Eine Rache oder Wiedergutmachung sehe ich in dem Spiel allerdings nicht. Auch Uli Hoeneß’ Aussagen, die »Verhältnisse seien wiederhergestellt«, haben mich etwas irritiert. An den Verhältnissen hat sich in Fußballdeutschland überhaupt nichts geändert. Bayern war auch in den vergangenen zwei Jahren die Mannschaft, die die Stadien gefüllt hat, die Mannschaft, die von wirtschaftlich arg bedrohten Vereinen für ein Freundschaftsspiel angefragt wurde, um neue Einnahmen einzustreichen. Die Mannschaft, an die man außer Landes dachte, wenn man nach einem Bundesligisten gefragt wurde. Bis Borussia Dortmund den Bayern irgendeinen Rang abläuft, muss mehr passieren, als zwei Jahre lang das Geschehen zu bestimmen. Dortmund war von 2010 bis 2012 die klar beste Mannschaft in Deutschland, ohne Wenn und Aber. Das kann man nicht bestreiten, dass sollte man stattdessen anerkennen.

Dennoch ist (, war und bleibt) Bayern München (wahrscheinlich erstmal) das Aushängeschild des deutschen Fußballs und hat mit dem BVB zuletzt einen großen Mitstreiter bekommen, der ordentlich die Stirn bieten kann und durch den im Verein ein Umdenken stattgefunden hat. Und es gibt derzeit eben zwei Mannschaften in Deutschland, die sich von der weiteren Ligakonkurrenz abheben, auch wenn das in der Tabelle aktuell nicht so deutlich ist, wie es sich für mich anfühlt, sorry liebe Leverkusener. Der sportlichen Qualität kann das nur förderlich sein. Insofern kann man dem BVB als Bayernfan dankbar sein, dass er mit seinem tollen Fußball, speziell dem grandiosen Umschaltspiel mit rasanten Tempogegenstößen ein Muster geliefert hat, das es allemal wert war, auch beim FC Bayern angewandt zu werden, um das eigene Spiel darum zu bereichern. So macht es den Zuschauern und nicht zuletzt sicher auch den Spielern viel mehr Spaß, als dieses einschläfernde Hochsicherheitsballgeschiebe, was seit van Gaal Spiel für Spiel zu sehen war. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass die Bayern ohne Borussia Dortmund und die Erfahrung aus den letzten beiden Jahren nicht annähernd so imposant und konzentriert spielen würden, wie sie es in dieser Saison tun. Und so wenig ich den BVB mag, so sehr muss ich an ihm doch schätzen, dass er meine Bayern zu diesen hochklassigen Leistungen angetrieben hat, mit denen wir Fans seit einigen Monaten verwöhnt werden. Man kann durch besondere Leistungen Anderer selbst profitieren – das zeigt der FC Bayern in dieser Saison.

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