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Unfreiwillig spannend

Einige Fußballfans haben wir hier ja auf den Gängen des Unternehmens. Würde man diese nach ihren Mannschaften aufteilen, gäbe es lediglich ein Bayerngrüppchen, daneben stünden vereinzelnd ein Bremer, ein Stuttgarter, ein Hannoveraner (sicherlich geografisch bedingt) und ein Dortmunder. Man unterhält sich, vorrangig natürlich montags, gern über Fußball, wenn man sich trifft. Der Bremer, der nebst der kicker-Stecktabelle ein Portrait von Thomas Schaaf an der Wand hängen hat, fragte mich heute morgen, wie die Bayern denn gespielt hätten. Ich wusste die Antwort, teilte ihm diese mit und konnte dabei feststellen, dass mir irgendwie nicht nach Fußballtalk war.

Als ich runter ging, in die Kaffeeküche, traf ich den Stuttgarter. Ein hervorragender Gesprächspartner, in Sachen Fußball wie auch sonst. Stets objektiv, gut informiert und humorvoll. Aber auch wir hatten uns heute noch nicht so viel zu erzählen. Dennoch kamen wir, wie sollte es anders sein, nach etwas Smalltalk auf das zurückliegende Bundesligawochenende zu sprechen. Er machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung und ich bemerkte daraufhin mitfühlend, dass die Gladbacher im Moment aber auch ziemlich nerven, derweil sich unsere Wege auch schon wieder trennten.

Und obwohl der eigene Verein (noch) Tabellenführer ist, verspüre ich derzeit keine besondere Lust, über Fußball zu sprechen. Wenn die Bayern um 15:30 Uhr spielen, bekomme ich von anderen Partien bestenfalls das Ergebnis mit, kann also nicht einmal groß über andere Mannschaften sprechen, wenn mir danach wäre. Komisch, die Bayern haben 2:0 gewonnen, ihren Platz an der Spitze verteidigt, aber doch fühlt es sich im Moment so an, als gehörten sie diesem Spitzenquartett der Tabelle eher durch Zufall an. Den letzten Spielen nach führt sich der FC Bayern auf wie eine Mannschaft aus dem tristen Mittelfeld. Was die Bayern auf dem Rasen anstellen, sieht nicht schön aus, ist ermüdend und streckenweise sogar verärgernd, aber in der Hauptsache wurden drei Punkte eingefahren. Wie das zustande kam ist mal wieder egal, will bald auch keiner mehr wissen.

Nein, Spaß machen die Bayern im Moment nicht und wenn sich daran nicht bald etwas ändert, ist man wieder in der Rolle des Jägers. Obwohl man sich als Gejagter doch so viel wohler fühlt, wie vom Verein immer behauptet wird, ohne dass man im Moment erkennen könnte, warum dem so ist. Auf das einst enorme Polster mit der Tordifferenz kann man sich mit Hinblick auf den BVB auch nicht mehr allzu lange verlassen. Es wird spannend, auch wenn die Bayern zur Zeit alles andere als das sind. Oder weil die Bayern es unfreiwillig so spannend machen?

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In Social Media und Außendarstellung ausbaufähig

Unterhaltsam waren die Bayern immerhin in dieser Woche. Am gestrigen Donnerstag wurde auf der offiziellen Webseite die spektakuläre Verpflichtung eines Offensivspielers angekündigt. Um 14 Uhr sollte daraufhin eine Pressekonferenz stattfinden. Auf Facebook. Was einige bereits irritierte. Die Mehrheit aber wohl nicht, mich eingeschlossen. Das große Namedropping konnte also auf Twitter, Facebook und in den Foren anrollen. Von Tevez, Shaqiri, Hazard, Berbatov oder Götze war die Rede. Unter anderem. Was folgte war so ziemlich der größte Social-Media-Upfuck, den ich im Sportbereich bisher mitbekommen habe.

Die Bayern wollten am Ende einfach nur auf eine neue, fanbezogene App auf der eigenen Facebook-Seite hinweisen (“The New FCB Star”). Ein netter Nebeneffekt für den FC Bayern sind dabei schlagartig weit über 15000 neue Fans eben dieser Facebook-Seite, der in diesem Zuge der Zugriff auf das eigene Facebook-Profil und die gespeicherten Profilfotos genehmigt wurde. Wer mag, kann sich auf Youtube anschauen, wofür der FC Bayern Hohn und Spott erntete, aber viel schlimmer noch, womit der FC Bayern die eigenen Fans nach Strich und Faden verarscht hat. Nach einer ganz ernüchternden Niederlage zum Rückrundenauftakt wohlgemerkt. Nicht etwa nach einem euphorisierenden 4:0 oder so. Das wäre für sich schon diskutabel, ginge es aufgrund der grenzenlosen Peinlichkeit dieser Aktion nicht ein wenig unter.

Kaum etwas zieht die Aufmerksamkeit und das Interesse der Fans doch mehr an, als die Ankündigung eines neuen Starspielers. Dies wissend die eigenen Anhänger derart an der Nase herumzuführen, würde selbst in der Psychologiehölle nur an höchsten Feiertagen praktiziert werden können. Zurecht traf den Verein die volle Breitseite an Unverständnis und Unmut darüber. Einen leichten Imageschaden dürfte der FC Bayern dadurch wohl auch davongetragen haben. Zumindest im Web 2.0, dem Jeder-macht-mit-Web.

Den schimpfenden Bayernfans wurde – von anderen Fans – daraufhin Humorlosigkeit vorgeworfen. Die Ansicht teilt der Verein offenbar nicht, hatte er sich gestern Nachmittag immerhin noch für diese gründlich misslungene Aktion entschuldigt.

Nicht ganz zu unrecht geriet hierbei auch Christian Nerlinger erneut in die Kritik. Zwar gehören Marketing- und somit Social Media-Belange nicht zu seinem Aufgabengebiet als Sportchef und er wies auch darauf hin, die Aktion nicht eingefädelt, sondern nur ausgeführt zu haben, aber er hätte die alles andere als überraschend kommende, verärgerte Reaktion der eigenen Anhängerschaft vorhersehen können (müssen?) und diesen Quatsch rechtzeitig im Keim ersticken sollen. Das hat er verpasst, der vermeintlich profilschwache Abnicker des Vorstandes. Der Lehrlinger, oder auch der Nerd-linger.

Heute ist dann vom Trainer zu lesen, dass Grundlegendes in der Mannschaft verändert werden muss. Einige Spieler gingen die Dinge demnach zu locker an, müssten sich dabei jeden Tag aufs Neue voll reinhängen und sich nicht bloß auf die eigenen Fähigkeiten und den erreichten Status verlassen. Das ist doch ziemlich harter Tobak, bedenkt man, dass die Bayern doch gerade erst das beste Trainingslager seit Erfindung des runden Leders absolviert haben, oder nicht? Vielleicht muss sich auch der Trainer mal ein bisschen in Selbstreflexion üben und dann einfach mal einen zweiten Stürmer aufs Feld schicken, wenn früh abzusehen ist, dass Mario Gomez außer zahlreichen Abseitsläufen nichts zustande bekommt. Wie Heynckes unter der Woche schon richtig anmerkte, trägt er die Verantwortung für das, was auf dem Platz geschieht. Dann aber nur die Spieler in die Kritik zu nehmen ist doch etwas sehr einfach.

Was haben die Bayern in Katar – außer dem Austragen von Freundschaftsspielen gegen fußballerische Drittweltmannschaften – denn so getrieben, wenn im ersten richtigen, ernsthaften Spiel danach festgestellt wird, dass es mit leichten Nachjustierungen scheinbar noch lange nicht getan ist? Das gibt mir doch sehr zu denken.

Da die Bayern in ihrer Außendarstellung dieser Tage meiner Meinung nach doch eher mehr falsch machen, als richtig, ist es prima, dass am morgigen Samstag der Ball wieder rollt. An Facebook wird ab 15:30 Uhr dann keiner mehr denken. Entscheidend ist dann auf’m Platz.

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Rasenschach spielen doch nur die anderen

Wenn ich nach dem verpassten Artikel zur erneuten Gladbach-Pleite zum Auftakt eben mit der Tür ins Haus platzen dürfte:

Ich kann einfach nicht begreifen, wie sich eine Mannschaft mit hochgesteckten Zielen und dem Potential diese auch zu verwirklichen, da sie nicht zuletzt in der Offensive leicht mit jedem Team dieser Welt mithalten kann, derart blöd und ideenlos anstellt, sobald ein Gegner, der spielerisch häufig nicht ansatzweise auf Augenhöhe ist, defensiv sehr kompakt spielt und taktisch auf die immer gleichen, wenig überraschend agierenden Bayern optimal eingestellt ist. Die Saison ist 18 Spieltage alt und die Bayern haben satte fünf Niederlagen kassiert, im Schnitt somit beinahe jedes dritte Spiel verloren. Anspruch und die stets erhabene Außendarstellung passen somit ausgesprochen schlecht zur Gegenwart.

Mir kommt das Spielsystem der Bayern in diesen Begegnungen, in denen bei mir als Zuschauer häufig schon früh jeglicher Optimismus dahingeht, weil sich der weitere Verlauf scheinbar vorhersehen lässt, viel zu stur vor. Wenn die gegnerische Abwehr gut auf das Bayernspiel eingestellt ist (was in der Belohnung auch jeden gegnerischen Trainer in der Boulevardpresse seit geraumer Zeit als ausgewiesenen Taktikfuchs akkreditiert) hinten somit mauert kompakt steht und auf schnelle Konter spekuliert, habe ich den Eindruck, würde man das irgendwann einfach so hinnehmen. Dann geht halt in diesem Spiel mal nichts, wenn der Gegner einfach keine Anstalten macht, Fehler anzubieten. Dann hofft man, dass hinten nichts anbrennt und van Buyten am Schluss vielleicht doch noch den entscheidenden Ball reinnagelt. Diese Spiele mehren sich und das ist sehr, sehr bedenklich.

Zwar kommen anschließend wieder ein paar Spiele, in denen der Gegner einem schon bald leid tun könnte, den die Bayern praktisch für eigene, vorherige Versäumnisse abstrafen, aber doch gibt es besagte Spiele in jeder Saison zuhauf. Niederlagen gehören dazu, keine Frage, aber diese Art von Niederlagen oder auch Unentschieden sind doch die absolut ärgerlichsten. Dann lieber deutlich unterlegen verlieren und nicht mit gefühlt 95% Ballbesitz einfach nichts Ertragreiches anzufangen wissen. Die Abwehr wird nicht geknackt, die 90 Minuten Spielzeit werden zäher und zäher. Bis in die Schlussphase, wo es, zumindest nach subjektivem Befinden, nochmal spannend wird, wenn letzte Kräfte mobilisiert werden, eine in der Bundesliga erforderliche Entschlossenheit an den Tag gelegt wird, die die Mannschaft in den verstrichenen 85 Minuten mal wieder deutlich hat vermissen lassen.

Und offenbar gibt es nur ein Mittel gegen diese Spiele: Eine frühe Führung, die gewisse, vermutete, Blockaden löst, nach der dann allemann plötzlich frei aufspielen können, sich schlichtweg so zeigen, wie man es von ihnen erwartet. Und dann sind auch gut und gern mal vier, fünf Törchen drin. Klappt das aber nicht, hält das Abwehrbollwerk und man rennt die ersten 30 Minuten gegen eine Wand, verlieren die Bayern den Mut, das Konzept. Und ich denke dann schnell an Barcelona, woran man sich ja so gern orientiert, aber es erneut einfach nicht gebacken kriegt dem glaubhaft oder immerhin erfolgreich nachzueifern. Wie wäre es mit einem Xavi-esken Kurzpass oder Lupfer durch zwei Abwehrspieler hindurch auf den dann freigelaufenen Mann? Nein, man dribbelt sich bis zur Grundlinie fest und hofft, den Ball in den Rücken der Gegner spielend irgendeinen einschussbereiten Mitspieler zu finden. Oder man verliert den Ball schon weit früher, weil alle Offensiven mindestens gedoppelt werden, was auf Bayernseite aber offenbar Spiel für Spiel für erneute Überraschung sorgt.

Es ist lediglich eine Vermutung, zumal ich weder Trainer noch erfahrener Vereinsspieler bin, aber könnte es nicht sein, dass es auch dem großen FC Bayern möglich sein sollte, gegen diese hier beschriebenen ausschließlich defensiv ausgerichteten Gegner einen Weg zu finden, ohne stur auf die anfänglichen Vorgaben zu beharren? Könnte man nicht kurzerhand mit einigen klugen Umstellungen und Überraschungen die Planungen des gegnerischen Denkers über den Haufen werfen? Das würde ich gern mal sehen.

In großen Spielen ist häufig die Taktik entscheidend. So kann man ein spielerisch überlegenes Team mit entsprechenden Systemanweisungen durchaus mal die Stirn bieten. Das geht auf eher überschaubarer Bühne, wenn Thomas Tuchel und seine Mainzer wieder gekonnt die Bayern geärgert haben, oder das geht im großen Stil, wenn José Mourinho mit einer seiner Mannschaften dem großen FC Barcelona Paroli geboten hat. Aber dass der FC Bayern mal als dieser enorme Rasenschachexperte glänzt und ein Team aufgrund kluger Spielzüge, optimaler Einstellung auf den Gegner oder derlei besiegt, kommt doch eher nicht vor, oder? Vielleicht ist das auch nur eine weitere Schattenseite des Mia-san-mia-Denkens.