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Psychologische Kriegsführung im Kindergarten

Nachdem ich am Wochenende keine Gelegenheit hatte, Fußball zu schauen, sah ich vom Bayernspiel lediglich die etwa siebenminütige Zusammenfassung. Im direkten Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern hat sich insofern nichts getan, außer, dass die Dortmunder in Köln das eigene Torverhältnis um fünf Treffer ausbauen und sich somit dem hierbei noch etwas besser aufgestellten FC Bayern annähern konnten. Die Punktedifferenz bleibt weiterhin bei fünf Zählern Vorsprung des amtierenden Meisters, die Tordifferenz, die evtl. von Bedeutung werden könnte, lautet beim FC Bayern aktuell +48, beim BVB +42 Tore.

Obwohl sportlich seit zwei Wochen alles beim Alten ist, die Bayern nach dem miserablen Rückrundenstart weiter hinterherhinken und aus eigener Kraft lediglich drei Punkte auf den ungeliebten Kontrahenten gutmachen können, geht in München nach den fünf zum Teil beeindruckenden Siegen in Serie schon wieder dieses unnötige und nicht mehr zeitgemäße – wenn es das denn überhaupt je war – breitbrüstige Gehabe los. Am Freitag holte Christian Nerlinger zum Rundumschlug aus, stichelte dabei gegen den BVB, gegen Großkreutz, Klopp und Watzke, gegen Hannovers Sergio Pinto und den kommenden Champions-League-Gegner Olympique Marseille. Während man diese alte Schule der »psychologischen Kriegsführung« von Uli Hoeneß vor ungefähr hundert Spielzeiten als Fan amüsiert-, als Gegner jedoch mit hingebungsvoller Wut aufnahm, entsteht der Eindruck, als sei man bei Christian Nerlinger – der sich hierbei in Magath’scher Süffisanz zu üben scheint, aber dabei eher den Eindruck hinterlässt, als hätte er seine Rede akribisch vorbereitet, sie am Ende rhetorisch aber doch wieder nicht ganz einwandfrei vortragen können – einfach nur gelangweilt.

Allerdings nervt es mich heutzutage auch, wenn Hoeneß den Ist-Zustand anderer Vereine kritisch durchleuchtet und außerhalb seines Dunstkreises, den er in seiner Rolle als Vereinspräsident abseits des Tagesgeschäfts selbst beim FC Bayern zu oft und zu schnell verlässt, auch noch bei anderen Mannschaften, vornehmlich unmittelbar vor den Spielen, verbal herumwildern muss. Oder wenn er bei fünf Punkten Rückstand felsenfest von der Meisterschaft ausgeht und das die in Weltgeschichte herausposaunt. Die Zeiten sind vorbei, in denen sich irgendwer von einem Hoeneß oder sogar Nerlinger derart beeindrucken lässt, als dass sich das auf die spielerische Leistung auswirken würde. Einem Kevin Großkreutz oder Sergio Pinto wird es herzlich egal sein, was die Herren an der Säbener Straße in Pressekonferenzen alles von sich geben. Die werden dadurch wahrscheinlich sogar zusätzlich motiviert, bestenfalls noch übermotiviert. An den Klopps und Watzkes dieser Liga dürfte das unbeeindruckt komplett abprallen. Die verstehen es eher noch, diese aus München gewohnten Vorgehensweisen im Erfolgsfall gegen die Bayern zu verwenden und sie zusätzlich zum sportlichen Nachsehen dann im Nachgang mit den eigenen Waffen noch mehr zu demütigen. Was übrigens völlig okay ist. Wer am Ende der Saison in der Tabelle über den Bayern steht, muss sich nichts gefallen lassen und kann entsprechend kontern. Und weil das dann als Geschlagener noch mehr wehtut, sollte man das von vornherein vermeiden und sich diese Spitzen gleich ganz sparen. Es ist doch nur entscheidend, was in den 90 Minuten auf dem Rasen passiert. Hier muss der FC Bayern Jahr für Jahr seine Leistung bringen. Anspruch und Wirklichkeit, oder anders ausgedrückt finanzielle Mittel und errungene Titel, passen schon lange nicht mehr zusammen, auch wenn man aktuell wieder auf einem guten Wege ist. Und wenn der große Emporkömmling dieses noch jungen Jahrzehnts im Begriff ist, seine Meisterschaft gegen den FC Bayern zu verteidigen, dann sollte man erst recht so lange kleine Brötchen backen, bis man den Kontrahenten mal wieder hinter sich gelassen hat. Die junge Statistik sagt aber leider etwas anderes. Wenn sich die Bayern und der BVB am 11. April in Dortmund gegenüber stehen, dann ist es an der Zeit, Klasse und Anstand zu zeigen. Klasse auf dem Platz, Anstand im Presseraum. Bis dahin bin ich völlig Hans-Joachim Watzkes Meinung – der findet nämlich, »Dieser Psycho-Quatsch ist doch Kindergarten!«.

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Puh.

Die ersten 90 Minuten des gestrigen Halbfinalspiels habe ich liegend auf dem Sofa verfolgt. Die Verlängerung habe ich dann angespannt im Sitzen gesehen und zum Elfmeterschießen musste ich mich hinstellen. So eigenartig mir das einen Tag später auch vorkommt, so normal und selbstverständlich und ja auch affektiv war das gestern Abend. Heute denke ich, dass das vielleicht ganz gut zeigt, wie wichtig mir dieses Spiel als Bayernfan war. Es hielt mich am Ende nicht auf der wohligen Couch, ich hatte das Bedürfnis, mich ganz nah vor den Fernseher zu stellen und meinem Verein – klingt schon reichlich komisch – so nah wie möglich zu sein (auch wenn ich das geografisch gesehen hinten auf dem Sofa gewesen wäre…). Und nach Manuel Neuers finaler Parade ist es dann ganz mit mir durchgegangen und ich hüpfte überschwänglich glücklich durchs Wohnzimmer.

Dabei war es doch nur Pokal – und dann noch nicht mal das Finale. Für gewöhnlich der noch am ehesten zu vernachlässigende aller drei Wettbewerbe, in denen die Bayern meistens vertreten sind. Und doch musste dieses Spiel unbedingt gewonnen werden. Nach den beiden Ligapleiten durfte bloß nicht auch noch die dritte Niederlage gegen die Gladbacher in dieser Saison folgen und im Finale wartet ja zudem der BVB, was eine nicht minder spannende Angelegenheit ist, um zumindest im Pokal die Verhältnisse ein wenig gerade rücken zu können. Und das Spiel war klasse. Für den neutralen Zuschauer – sofern es ihn gegeben hat – aber auch für alle anderen war diese Partie bestimmt ansehnlicher als die locker-leichten Kantersiege in den letzten drei Spielen. Wenn ein Gegner nach der ersten halben Stunde bereits besiegt ist, fällt es leicht, noch zwei, drei Tore nachzulegen. Wenn er aber keine Anstalten macht, hier ein Tor zuzulassen, oder einen gravierenden Fehler anzubieten, dann versprechen das – insbesondere bei K.O.-Spielen – höchst spannende und anspruchsvolle 90 oder 120 Spielminuten zu werden. Diese Spannung kann dann auch nur noch durch die »Lotterie« des Elfmeterschießens getoppt werden. Das macht diesen Sport mitunter aus und wenn es für die eigene Mannschaft am Ende gut ausgeht, gibt es doch nichts Schöneres. Beim Elfmeterschießen sollte dann ausgerechnet Dante, der dem Vernehmen nach im Sommer zu den Bayern wechseln wird, die tragische Figur einnehmen und den ersten Elfer verschießen, was den Erfolg der Bayern anschließend maßgeblich einleitete.

Genau ein solcher Sieg, der am Ende nicht mehr ausschließlich mit Können oder Verdienst zu tun hatte, könnte im Hinblick auf das Saisonfinale in allen Wettbewerben von großer Bedeutung sein. Bislang zeigte diese Saison, dass die Bayern häufig das Nachsehen hatten, oder immerhin der gefühlte Verlierer waren, wenn sie nicht so richtig ins Spiel kamen und keinen pünktlichen Torerfolg erzielen konnten. Wenn die Abwehr des Gegners einfach gut geordnet war und die stärkste Waffe der Bayern, die Offensivreihe, weitestgehend aus dem Spiel nehmen konnte. Dass nun auch so ein knappes, wichtiges und dramatisches Spiel gewonnen wurde, sollte ein Gewinn für das Selbstvertrauen der Mannschaft sein, wenn eines der kommenden Spiele wieder diesen zähen, glücklos anmutenden Verlauf zu nehmen droht.

Ganz besonderes habe ich mich gestern darüber gefreut, dass uns in erster Linie Manuel Neuer dieses Spiel gewonnen hat. Gleich zweifach bewahrte er die Mannschaft nach herausragenden Angriffen der Borussen mit einer Engelsgeduld unmittelbar vor dem Abschluss vor dem Rückstand, zeigte seine besondere Klasse und ließ den geplanten Tunnel, der bei vielen seiner Kollegen womöglich funktioniert hätte, eben nicht zu. Ich hoffe, dass dies auch diese kleine, aber eben auch aktive Gruppe von Bayernfans so sah, die gestern bestimmt lieber Thomas Kraft oder Michael Rensing im Tor der Bayern gesehen hätte und Manuel Neuer noch immer nicht im Bayerndress akzeptieren will. Ich wünsche Manuel Neuer, dass er so manch unfriedlich gestimmten Bayernfan gestern beeindrucken- vielleicht sogar auf seine Seite ziehen konnte.

Große Anerkennung abschließend für die Leistung der Gladbacher, die taktisch und spielerisch erneut eine großartige Leistung zeigten und dabei so fair und anständig spielten. Ich hoffe, ich tue ihnen nicht Unrecht, aber der große Gewinner dieser beiden Halbfinalspiele ist der Fußball selbst. Dortmund gegen Bayern in einem Finale von Bedeutung dürfte das Attraktivste und Beste sein, was der deutsche Fußball im Moment zu bieten hat. Ich freue mich drauf.

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Über Gladbach nach Berlin?

Nachdem das Champions-League-Rückspiel gegen Basel auf dem Papier zwar schon so etwas wie ein erstes Finalspiel war, die Anspannung auch ohne Zweifel vorher groß war, es sich dann aber im Spielverlauf vornehmlich als Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen erwies, dürfte dann heute Abend das erste richtige K.O.-Spiel mit Gegner auf Augenhöhe anstehen. Ich schätze Gladbach zu stark und konstant ein, als dass sie sich später den letzten drei Bayerngegnern anschlössen und sich ebenfalls komplett überrannt werden. Dafür ist Trainer Lucien Favre auch zu sehr Taktikfuchs. Das schließt zwar nicht aus, dass auch seine Mannschaft mal eine amtliche Packung hinnehmen könnte, aber ich kann es mir in einem Spiel von dieser Bedeutung nicht so recht vorstellen.

Von daher bin ich umso gespannter, wie die Mannschaft dieses Spiel angehen wird. Obwohl die Bayern im Moment überragend (nach vorne) spielen und vieles wie von selbst zu funktionieren scheint, glaube ich nicht, dass man den heutigen Halbfinalgegner auf die leichte Schulter nehmen wird, was beim FC Bayern leider gelegentlich zu befürchten ist, wenn’s läuft. Es geht nicht nur um Prestige, immerhin steht mit Borussia Dortmund bereits ein sportlich überaus attraktiver Finalist fest, es geht auch darum, nicht zum dritten Mal in einer Saison gegen Borussia Mönchengladbach zu verlieren. Bekanntlich wurden die beiden Bundesligapartien gegen Gladbach  schon verloren. Davor allerdings hatte man zuletzt 2004 das Nachsehen. Von einem Angstgegner kann also keine Rede sein. Aber: Die Fohlenelf spielt eine klasse Saison und steht absolut zu Recht in der Liga gut und eben auch im Halbfinale des Pokals. Würde man also am Abend die Gladbacher aus dem Wettbewerb kicken, wäre das neben dem sportlichen Erfolg auch ein Stück Seelenfrieden – beide Saisonspiele verliert der FC Bayern so häufig nicht gegen eine Mannschaft. Und dass man im Finale dann direkt die nächste Wiedergutmachung angehen könnte sollte Motivation genug sein. Aber an Motivation dürfte es heute ohnehin nicht fehlen.

Alle Hoffnungen ruhen nach wie vor auf der frühen Führung. Insbesondere gegen taktisch clevere Mannschaften ist alles andere für die Bayern sonst schnell zermürbend. Es ist offenbar nicht die Saison für dramatische Nachspielzeitsiege des FC Bayern. Ohne das frühe Tor tat sich die Mannschaft zu oft schwer, fand irgendwann keine Mittel mehr gegen gut sortierte Abwehrreihen und verlor dann im späteren Verlauf des Spiels zusehends Mut und Hoffnung. Aber möglicherweise haben die fantastischen Leistungen der letzten Spiele ja auch dafür gesorgt, dem Eindruck, dass ein frühes Tor für den Sieg zwingend ist, gegenzuwirken.