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Rechts der Überholspur

Gratulation an Borussia Dortmund: Viel deutlicher kann man ein Finale nicht gewinnen. Bitter für mich und zahlreiche Bayernfans, dass dieses Exempel eiskalten, effektiven Fußballs ausgerechnet am FC Bayern statuiert wurde, der damit nach dem so lange währenden Tanz auf drei Hochzeiten am Ende der ersten beiden weiterhin mit leeren Händen dasteht.

Selbst wenn die Bayern das Spiel optisch im Griff hatten und wahrscheinlich auch statistisch mehr Spielanteile hatten, wird auch Philipp Lahm inzwischen bestimmt nicht mehr daran zweifeln, dass der BVB dieses Pokalfinale verdient gewonnen hat. Es lief an diesem Samstagabend einfach nicht; zahlreiche Patzer ermöglichten den Dortmundern ihre Chancen, die allesamt kaltschnäuzig genutzt worden sind. Und das ist auch genau der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften. Die Bayern lassen (trotz vieler Tore) regelmäßig größte Chancen aus, die Dortmunder allerdings brauchen häufig nicht viel mehr als fünf Möglichkeiten, um dabei dann fünf Tore zu erzielen. Im Moment kann der FC Bayern gegen Dortmund einfach nicht gewinnen, wie es ausschaut. Einerseits ist es natürlich schade, diesen für die laufende Saison abschließenden Machtkampf und das nun fünfte Duell in Reihe gegen Borussia Dortmund verloren zu haben, aber andererseits steht ja noch das Finale der Champions League an. Was bitte nicht als Herabwürdigung des Pokals verstanden werden soll, sondern als Hoffnungsschimmer, diese Saison vielleicht doch noch jubelnd beenden zu können. Diesem kommenden Finale in München wird jeder Bayernspieler selbst ja auch erheblich mehr Bedeutung beimessen, als dem DFB-Pokal. Trotz alledem waren die Bayern bemüht, müssen sich hinsichtlich des bevorstehenden Spiels gegen Chelsea für die verlorene Pokalpartie keine Lustlosigkeit, offenbarte Zeitverschwendung und dergleichen mehr nachsagen lassen.

Viele Bayernfans finden bekanntlich nicht erst seit Samstag, dass es doch im Falle des großen Champions-League-Triumphs scheißegal ist, dass man die Meisterschaft und den Pokalsieg verpasst hat. Aber ist das wirklich so egal? Ich finde nicht, immerhin zeichnet sich in den vergangenen beiden Jahren ab, dass die Bayern nicht nur einen großen Konkurrenten bekommen haben, sondern gegen diesen auch mit unangenehmer Regelmäßigkeit ins Hintertreffen geraten. Und in den direkten Duellen wird wunderbar deutlich woran es liegt: Die Bayern ziehen stets ihr angestammtes Spiel durch, begegnen den Dortmunder dabei taktisch unterlegen. Diese sind häufig nicht die Spiel bestimmende Mannschaft, fahren aber bombensichere, lehrbuchhafte Konter und nutzen die paar Chancen, die sich ergeben. Die Bayern hingegen beharren auf ihr Ballbesitzspiel, offenbaren, dass man trotz Ribéry und Robben, zusammen das Prunkstück der Bayernoffensive, außen kein Durchsetzungsvermögen hat und immer und immer wieder gegen eine Wand läuft. Bis wieder ein dummer Ballverlust zu einem Konter führt, was letztlich im Torerfolg der Schwarzgelben mündet.

Es wird kaum für Zufriedenheit sorgen, nun zwar ein Champions-League-Finale gewinnen zu können, aber sich national auf Kosten dessen den Rang ablaufen zu lassen. Man kann zwar nach außen hin demütig tun, artig die Dortmunder Erfolge würdigen, um am Ende auf das große Finale im eigenen Stadion zu verweisen, aber innerlich wird es bei den Verantwortlichen zurecht brodeln. Geht man auch im Finale gegen Chelsea baden, bleibt unterm Strich ein Hauch von Nichts, drei bittere Schlappen im Foto-Finish, wie man im Rennsport sagen würde, und der Verein erlebt die wohl bitterste Saison seit vielen, vielen Jahren. Und sollte dieser Fall eintreten, zeigt sich noch mehr als sonst, dass die Liga, das täglich Brot eines jeden Vereins, trotz einer guten Champions-League-Saison das A und O ist. Wenn sich hier endgültig die gänzlich neue Situation ergeben sollte, einen schier unüberwindbaren Gegner vor sich zu haben, bin ich gespannt, was in München passiert. Hoeneß kündigte schon an, so lange Spieler zu verpflichten, bis die Bayern an der Tabellenspitze wieder für klare Verhältnisse sorgen würden. Ich weiß nicht, ob ein somit erkaufter Titel – was die Herren Rummenigge, Hoeneß und, da darf er natürlich nicht fehlen, Christian Nerlinger, bei Chelsea, Manchester City und Real Madrid so leidenschaftlich verurteilen – dann mit einer spielerisch errungenen Meisterschaft einer völlig homogenen Dortmunder Mannschaft, bei der es im Moment von der wirtschaftlichen Führung, der sportlichen Leitung und nicht zuletzt bis hin zur spielenden Elf beneidenswert funktioniert, annähernd gleichzusetzen ist. Wohl kaum. Es wäre bloß ein von größtem Aktionismus geprägter Erfolg, bei dem der Fußball selbst sowie alle Mannschaften mit einfacheren Mitteln nur die Verlierer sein können.

Und sollte uns eine Transpherphase mit Ausgaben jenseits der 50 Millionen ins Haus stehen und die Bayern selbst dann am Ende immer noch nicht wieder Meister sein, dann, aber erst dann wird man sich unter Umständen mal damit befassen, die eingestaubte Vereinsphilosophie zu überarbeiten und die Sache mal im Kern anzupacken. Dann sollte man sich vielleicht mal von Grund auf modernisieren. Bis dahin wird es aber noch die ein oder andere Bankettrede von Kalle Rummenigge geben, in der den hungrigen Spielern vor noch leeren Tellern irgendwelcher hochtrabende, rhetorisch gekünstelte Bullshit erzählt wird, auf den bestimmt kein einziger der Spieler heutzutage noch Bock hat.

Aber ein paar Tage lang kann man sich ja noch an das kommende Champions-League-Finale klammern…

5 Kommentare

  1. Im Prinzip stimme ich mit der überein.

    Die erste Halbzeit war gar nicht mal schlecht; die groben Patzer und die Konsequenz des BVB täuschen darüber hinweg. Die zweite war hingegen zum Wegschauen. Der Glaube, das Spiel noch drehen zu können, war nicht vorhanden – milde ausgedrückt.

    Problematisch ist, daß die Neuausrichtung im Jugendbereich nicht von heute auf morgen brauchbaren Nachwuchs für die erste Mannschaft zur Folge haben wird.
    Bis dahin kommt der Verein nicht umhin, Alternativen (auch für eine abwechslungsreichere Taktik) zu kaufen.

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  2. Fussballfan

    14/05/2012 @ 12:49

    Es muss in die Breite des Kaders investiert werden und zwar mit Jungprofis (aus der eigenen Jugend) oder von anderen Vereinen und diese auch spielen lassen.
    Was auffällt, Kontern können die Bayern nicht und sind bei Konter sehr anfällig, siehe die Spiele gg. Gladbach oder jetzt im Pokalfinale.
    Der unbedingte Wille, wie in Madrid, war am Samstag auch nicht zu spüren.
    Hoffen wir auf einen guten Ausgang am Samstag.

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  3. Fussballfan

    14/05/2012 @ 12:51

    Nachtrag, es müssen aber auch Spielertypen wie Hasan Salihamidžić (in der Form, als er noch für den FCB gespielt hat) wieder her. Die den Rest der Mannschaft mal mitreisen und glühen.

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  4. Pingback: DFB-Pokalfinale 2012 gegen Borussia Dortmund – red12.de

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