web analytics
Artikelformat

Ribéry garantiert: Leidenschaft durch Bauchgepinsel

Fußball ist bekanntlich Tagesgeschäft, und so platt wie diese Floskel auch ist, steckt ebenso viel Wahrheit in ihr. Noch am späten Mittwochabend bestand Grund zur Sorge, der FC Bayern München würde nach der Nulleins-Niederlage in Basel nie wieder ein Fußballspiel gewinnen können und müsste den Spielbetrieb daher vielleicht auch besser komplett einstellen. Heute, das siegreiche Spitzenspiel gegen Schalke 04 im Rücken, sieht die Welt schon wieder bunter aus. Uli Hoeneß war sofort zur Stelle und ließ es sich nicht nehmen, sich mit breiter Brust zitieren zu lassen, man spiele weiterhin um alle drei Titel.

So schnell kann das im Fußball also gehen. Alles Trübsal blasen ist Schnee von gestern, heute ertönen wieder gewohnte Kampfansagen aus München, die man sich unter der Führung von Hoeneß und Rummenigge wohl auch nie verkneifen können wird. Ich halte dieses öffentliche Brustgetrommel für reichlich überholt und habe den Eindruck, dass das nach einem, wenn jedoch auch durch und durch überzeugenden, Sieg in der sonst momentan eher trostlosen Schaffensphase der Bayern etwas voreilig kommt. Nicht falsch verstehen, das in Dortmund etablierte und doch so unglaubwürdige Understatement geht mir mindestens ebenso auf den Senkel, aber ganz so viel Erfolg haben die Bayern derzeit eben nicht vorzuweisen, so dass jegliche Demonstration von Stärke und Selbstbewusstsein schnell zu Spott führen kann. Aber so sind sie halt, die Bayern und speziell die Vorstandsleute.

Nachdem Franck Ribéry dem Trainer am Mittwoch bei seiner Auswechselung unsagbar skandalös den Handschlag verwehrte, was den Boulevard so sehr erfreute, da er diese Geschichte tagelang erheblich größer machen konnte als sie war, erfuhr der Franzose vor dem Schalkespiel glücklicherweise verbale Zärtlichkeiten vom Trainer, so dass er wieder befreit und sorglos aufspielen konnte. Sein ganzes Können weiß Ribéry ja leider nur auszuschöpfen, wenn psychisch optimale Bedingungen gegeben sind, wenn er seelisch ein gemachtes Nest vorfindet. Wenn der Trainer ihm dreimal täglich auf die Schulter klopft und es nicht wagt, ihn in ein taktisch enges Kostüm zu zwängen. Ich finde, dieser Umstand exkludiert ihn von der wirklichen Speerspitze seines Fachs. Ein Weltklasse-Spieler spielt auch dann gut, wenn er vorübergehend wütend auf den Trainer ist und macht seine sportliche Klasse nicht so offensichtlich von der Gemütslage und persönlichen Befindlichkeiten abhängig. Das wirkt nicht zuletzt beabsichtigt und ist auch nicht besonders professionell. Es ist einfach: divenhaft.

Aber es scheint ja inzwischen alles wieder im Reinen zu sein zwischen Spieler und Trainer, was sie durch ein demonstratives Abklatschen beim Torjubel auch unter Beweis stellten und die bauchgepinselte Diva sogleich wieder auf Hochtouren laufen ließ. Obwohl Uli Hoeneß es auf seine ganz eigene Art anders vorlebt, sollte man vielleicht dennoch nicht gleich wieder überheblich werden und den Bayerischen Rundfunk verfrüht zu den drei ganz bestimmt anstehenden Titelfeierlichkeiten auf den Rathausbalkon am Marienplatz bestellen. Zwar haben die Bayern ziemlich gut gespielt, aber die Schalker eben auch ziemlich schlecht, weswegen das 2:0 natürlich gut tat, aber bei weitem nicht das Maximum darstellt, was hier zu holen war. Unterm Strich hat diese Vorstellung aber wieder deutlich größere Lust auf die kommenden Spiele gemacht. Hoffentlich gibt es nicht gleich wieder den nächsten Dämpfer.



Ähnliche Artikel:

  1. Torflaute beendet – Hinrunde für Ribery auch?

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*