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Über ein fantastisches Achtelfinal-Hinspiel

Was für ein Fußballabend gestern. Nach einem tollen, über 90 Minuten völlig offenem Spiel erzielen die Bayern kurz vor Abpfiff doch noch den Siegtreffer. Nach dem Spiel sagte Louis van Gaal bei Dieter Nickles im Sky-Interview, dass er es lieber gesehen hätte, die Führung schon eher zu erzielen. Klagen auf ziemlich hohem Niveau, wie es so schön heißt. Ich bin ganz froh, dass der Treffer so spät kam. Natürlich beansprucht so ein spätes Tor das Nervenkostüm ungleich mehr, als ein Treffer in der ersten Halbzeit, aber: wäre das 1:0 der Bayern etwa in der 75. Spielminute gefallen, hätte Inter gewiss noch mal alle Kräfte mobilisiert und wären womöglich noch energischer und entschlossener angelaufen. Ob man dem über so viele Minuten dann Stand gehalten hätte? Nicht vergessen darf man ja, dass ein 0:0 den Italienern die bessere Ausgangslage für das Rückspiel verschafft hätte. Im Rückspiel hätte jedes torreiche Remis das Weiterkommen für Inter bedeutet. Sie mussten also nicht zwingend ein Tor machen, womit ich natürlich nicht sagen will, dass sie es nicht nachhaltig versucht hätten. Aber vielleicht spielen solche Gedanken ja doch mit. “Steht lieber sicher und haltet  hinten die Null, anstatt alles nach vorn zu werfen”, könnte die Devise sein.

Hätte, wäre, wenn. Inter hat den späten Gegentreffer hinnehmen müssen. Ich denke allerdings nicht, dass die Bayern damit schon halb im Viertelfinale stehen. Im Rückspiel braucht es eine ganz ähnliche Leistung wie im Hinspiel, sonst kann man gegen Eto’o, Sneijder & Co. schnell ein paar Tore kassieren. Zuversichtlich stimmt mich die allgemeine Torlaune der Bayern im eigenen Haus. Ich bin vorsichtig optimistisch, was das Weiterkommen anbelangt und das darf man nach diesem tollen Spiel vom gestrigen Abend ohne weiteres sein.

Auf zwei Spieler will ich gesondert eingehen, sie haben größten Anteil am Sieg.

  • Thomas Kraft. Von der allgemein schnell aufkommenden Euphorie nach ein paar guten Spielen möchte ich mich noch nicht anstecken lassen. Aber wenn der junge Keeper langfristig an diese herausragende Leistung von gestern anknüpfen kann, will es gut überlegt sein, über 20 Millionen für eine Position auszugeben, auf der man aus den eigenen Reihen selbst sehr gut aufgestellt ist. Enorm ärgerlich finde ich, dass dessen Vertrag ausgerechnet jetzt im Sommer ausläuft. Die Entscheidungsträger kommen also in eine Bredouille: warten Sie ab, was Manuel Neuer, dessen Vertrag erst 2012 ausläuft und mit dem Schalke womöglich 2011 letztmals das große Geld einheimsen kann, und Magath im Sommer vorhaben, oder bietet man Kraft einen neuen Vertrag an und macht ihn zur endgültigen Dauerlösung? Thomas Kraft kündigte an, die Nummer Eins sein zu wollen. Wenn Neuer kommt, wird sich Kraft dafür nicht auf die Bank setzen, sondern den Verein wechseln. Generell war ich immer dafür, Manuel Neuer zu holen. Er gehört mit seinen in Kürze 25 Jahren zu den besten der Welt und hat das Zeug, sämtliche Konkurrenten dies betreffend hinter sich zu lassen. Man würde mit ihm schlicht und ergreifend nichts falsch machen und wüsste von Beginn an, was man an ihm hätte. Das wird sich bei Thomas Kraft erst noch zeigen. Im Moment weiß man, dass Kraft grandiose Reflexe hat, wie gestern mehrfach unter Beweis gestellt, von der Mannschaft voll akzeptiert ist und großes Talent mitbringt. Diesen Talent-Status abzulegen und sich einen Ruf als dauerhaft anerkannten Spitzen-Keeper zu erarbeiten, geht aber nicht innerhalb einer Spielzeit. Ein bisschen Risiko bliebe in jedem Fall erhalten, auch wenn man Kraft schon jetzt nicht mehr als “weiteres Experiment nach Rensing” bezeichnen kann. Zum einen wegen seiner sportlichen Leistungen, zum anderen auch wegen seiner bescheidenen, sachlichen Art, wenn man ihn nach seiner Meinung fragt. Auch das war gestern im Interview nach dem Spiel vorbildlich, Herr Kraft!
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  • Luiz Gustavo. Der Mann für die besonderen Aufgaben? Als vor dem Spiel noch nicht ganz abzusehen war, welche Rolle Wesley Sneijder in Inters System bekleiden würde, bot man Luiz Gustavo zunächst als Außenverteidiger auf. Schnell entpuppte sich Sneijder als Zehner und nach zwei Minuten gab van Gaal das Zeichen zum Positionswechsel mit Danijel Pranjic. Fortan machte Luiz Gustavo das mit großem Abstand beste Spiel im Bayerndress. Gut, dass kann nach acht Spielen im Verein schon mal passieren, aber die Leistung gestern war von vorn bis hinten überzeugend. Ein paar Fehlpässe hatte er drin, aber wer das kritisieren möchte, muss bei Schweinsteiger anfangen. Gustavo nahm Wesley Sneijder nicht vollständig, meiner Meinung nach in einem guten Spiel selbigens unmöglich, aber immerhin sehr beeindruckend aus dem Spiel. Eines der Highlights des Spiels ist ohne Frage, wie Gustavo Sneijder mit einem Absatzkick im Zweikampf stehen ließ wie einen Schuljungen. Das war frech, das war gekonnt und einfach bärenstark. Mit Gustavo kann man planen. Im defensiven Mittelfeld gilt er nicht umsonst als bester Balleroberer der Liga. Und das mit zunehmender Fairness, auch wenn es gestern einen gelben Karton für ihn gab. Dies aber wegen gefühlt minutenlangem, gegenseitigem Geschiebe und Gedränge während der Strafraumversammlung vor einem Freistoß. Ich habe mich sehr gefreut, dass er in seinem allerersten Spiel in der Champions League einen Eindruck hinterließ, als hätte er nie etwas anderes gemacht. So wie Thomas Kraft. Zusammen sind die beiden für mich die Spieler der Partie.
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Bemerkenswert finde ich auch, dass Louis van Gaal, Pranjics verletzungsbedingter Wechsel natürlich ausgenommen, seine erste Elf hat durchspielen lassen und nicht einen taktischen oder routinemäßigen Wechsel vorgenommen hat. Das spricht für das Konzept und die Konsequenz des Trainers. Auch wenn die Herren Altintop oder Klose sicherlich gern zum Ergebnis beigetragen hätten. Aber diese Dinge sind dem Erfolg des Kollektivs unterzuordnen und sie geben dem Trainer einfach Recht.

Das Rückspiel findet leider erst in drei Wochen, am 15. März, statt. Bis dahin flacht die große Freude über den Last-Minute-Triumph sicherlich etwas ab, man geht der Sache realistisch, nicht euphorisch entgegen. Das ist auch gut so. Inter Mailand wegen dieses knappen Ergebnisses abzuschreiben, wäre leichtsinnig. Daumen drücken, dass den FC Bayern keine Verletzungen heimsuchen und im Rückspiel alle Kräfte abrufbar sind. Dann kann es durchaus klappen und dann kann man auch gern von einer Revanche für das Finale sprechen, die dann gelungen ist. Für das Hinspiel war all diese Rache-bezogene Berichterstattung ein bisschen übertrieben. Kann man im ersten von zwei Spielen überhaupt eine Entscheidung erzielen? Wie soll dann Rache möglich sein?



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1 Kommentar

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