Der FC Bayern ist immer mal wieder für Überraschungen am Transfermarkt gut. So schüttelte man vor drei Jahren kurz vor Toresschluss Arjen Robben aus dem Ärmel und bescherte Verein und Fans einen der spektakulärsten Transfers überhaupt. Weiter erzielte man mit Manuel Neuer bereits Einigkeit, noch bevor die Verhandlungen mit Schalke begannen, so dass man sich eine ganz passable Ausgangslage schuf und bereits Gewissheit hatte als Fußballdeutschland noch lange spekulierte. In diesem Jahr deutete vieles darauf hin, dass man trotz der Qualitäten von Mario Gomez auch noch Edin Dzeko für den Angriff holen würde. Die Offensive sollte unberechenbarer werden, mit der spielerischen Klasse des Bosniers wollte man den Druck auf Borussia Dortmund erhöhen. Dem Vernehmen nach ging es nur noch um dessen Gehalt.
Und genau daran dürfte dieser Wechsel, der für Dzeko sportlich kaum weniger reizvoll und finanziell auch nicht existenzgefährdend gewesen wäre, nun gescheitert sein. Und so gerne ich Dzeko auch in der Mannschaft gesehen hätte, so sehr freue ich mich darüber, dass der FC Bayern hier scheinbar nicht nur gezeigt hat, seinen finanziellen Vorstellungen treu zu bleiben, sondern im Gegensatz zu vormals gescheiterten Transfers (»wir wollen den oder keinen«) nach adäquaten Alternativen Ausschau hält, wenn sich das Vorhaben mit einem möglichen ersten Wunschkandidaten zu als vernünftig erachteten Konditionen nicht umsetzen lässt. Und eine adäquate Alternative zu Dzeko ist Mario Mandzukic allemal. Vielleicht sogar zu Mario Gomez die sinnvollere Ergänzung, während ihm Dzeko doch vom Typ her recht ähnlich wäre. Mandzukic kann auf den Flügel ausweichen, bietet auch außerhalb des Strafraums Anspielstationen, könnte eine hängende Spitze spielen. Das gesamte Bayernspiel dürfte mit ihm vielfältiger werden. Er läuft viel, ähnelt hier vielleicht Ivica Olic ein wenig, macht dabei aber mehr Tore als dieser zuletzt.
Wo mit regelrechtem Aktionismus zu rechnen war, präsentiert der FC Bayern eine absolut sinnvolle, wirtschaftlich vernünftige Lösung. Mit ihm trifft man zwar nicht den Nerv der sensationsgierigen Anhänger, die Uli Hoeneß beim Wort nahmen und auf die renommierte »Sturmbombe« hofften, die auch gegen (bei?) Manchester United oder Barcelona treffen würde. Wichtig ist aber doch, dass der Weggang Ivica Olics nicht nur klasse abgefangen wird, sondern ein Spieler kommt, der darüber hinaus noch eine ordentliche Qualitätssteigerung, eine Verjüngung und damit einhergehend vorausschauende Kaderplanung darstellt. Und nebenbei wird die Vereinskasse nicht ansatzweise so beansprucht, wie es mit Dzeko wohl der Fall gewesen wäre. Willkommen Mario Mandzukic, der sicher viele Fans noch überraschen wird, die ihn vielleicht unterschätzen. Und dem hier gerne kritisierten Christian Nerlinger ist zu guter Letzt ein ehrlich gemeintes, großes Lob auszusprechen.

27/06/2012 @ 13:47
Stimme in jeder Hinsicht zu. Ein Dzeko, so gut er auch sein mag, ist einfach viel zu teuer (betrifft Ablöse und Gehalt gleichermaßen) – und erst recht, um ihn auf die Bank zu setzen. Mandzukic ist hier eine erstklassige alternative Lösung. Torgefährlich, spielerisch exzellent und eine tolle Ergänzung zu Gomez, wie du ja schon geschrieben hast. Hat auch etwas vom Typ Lewandowski, der ja auch gut in unsere Reihen gepasst hätte.
Der Angriff für die kommende Saison kann sich damit auf jeden Fall sehen lassen und ich hoffe sehr, dass wir nächstes Jahr mal wieder öfter mit zwei Stürmern spielen.
28/06/2012 @ 02:13
Ich sehe gerade in dem Mandžukić-Transfer den klassischen Beißreflex der 80er Jahre und erkenne in ihm den Aktionismus, der mich immer wieder an der sportlichen Führung verzweifeln lässt.
Es wird von Edin Džeko und Olivier Giroud gesprochen, und es kommt stattdessen ein Spieler, den Felix Magath teuer veräußern will? Da wäre ja Lewandowski besser gewesen…
Bis auf Xherdan Shaqiri, der wohl unter die Kategorie Perspektivspieler fällt, ging der Verein bis jetzt wieder nur in der Bundesliga einkaufen. Frei nach dem Motto “Wir kaufen nix, was wir nicht mindestens fünfmal in der Sportschau gesehen haben”.
29/06/2012 @ 08:33
Viel interessanter finde ich ja, dass die Bayern einen Stürmer haben, der in den letzten 2 Spielzeiten in 65 Bundesligaspielen 54 (!) Tore gemacht hat und nun mit Pizzaro und Mandzukic weitere Stürmer holen. Wenn es an einem nicht gelegen hat, dass ihr nicht Meister, Pokalsieger oder Champions League-Sieger wurdet, dann an Gomez.
29/06/2012 @ 09:00
An Gomez hat es nicht gelegen, allerdings haben die Bayern in jeder Saison zahlreiche dieser einfallslosen Spiele, in denen keiner so recht eine Idee hat, das Abwehrbollwerk auszustechen. Da fehlt es Gomez häufig an Spielwitz, ein »spielender Stürmer« kann da sicher für mehr Impulse sorgen. Was ich meine sieht man auch in der Nationalmannschaft, wo es spielerisch häufig mit Klose besser läuft und die anderen Offensiven dadurch mehr Räume bekommen.
29/06/2012 @ 09:06
Für mich – aus der entfernten Sicht – ist es aber weniger ein Problem von Gomez als eines von Robben und ab und Riberry. Robben ist in meinen Augen sehr sehr statisch. Ihm fällt nichts ein gegen Teams, die ihn doppeln. Ich mein, es ist ja auch nicht alles schlecht. Mit 73 Punkten wirst du in der Regel Meister und im Pokalfinale trifft Bayern vielleicht nie mehr auf ein Team, was so eiskalt die Fehler ausnutzt, wie es Borussia gemacht hat.
Das CL-Finale, auch wenn es sich blöd anhört, ist einfach schlecht gelaufen. Sowas passiert.
Ich sehe eure Probleme eher auf der rechten Seite und der fehlenden Alternative zu Robben, auch wenn ich weiß, dass es schwer ist, einen Spieler von Qualität zu bekommen auf der Position, wenn da schon einer wie Robben spielt.
28/06/2012 @ 02:18
Wenn wir schon bei passenden Vergleichen sind: Ich finde, dass Mandzukic vom Spieltyp am ehesten Miroslav Klose ähnelt. Man hat somit quasi die Nationalmannschafts-Option verpflichtet. Objektiv gesehen sicher ein sinnvoller Transfer. Pizarro als Backup, der beide Rollen ausfüllen kann. In der Offensive wird man wohl keine Verpflichtungen vom FC Bayern erwarten dürfen, oder?