In den vergangenen Tagen war es hier ein bisschen ruhig geworden. Nach dem Spiel gegen Real Madrid, dem auf unfassbar spannende Art und Weise besiegelten Einzug ins Finale der Champions League, fing ich einen Artikel an zu schreiben, aber irgendwie ging nichts so recht zusammen. Ich hätte mich euphorisch über dieses Wahnsinnsspiel und dem endgültigen Erreichen des anfangs doch recht unrealistisch geglaubten Ziels erfreuen können. Oder mich über das Regelwerk ärgern können, das auf beiden Seiten nun wichtigen Spielern die Teilnahme an diesem höchsten Spiel auf UEFA-Ebene untersagt. Und das, obwohl ein Champions-League-Finale Werbung für den Sport sein sollte. Die beiden besten bzw. erfolgreichsten Mannschaften sollten mit der stärksten Elf antreten und nicht durch eine dritte gelbe Karte, die in immerhin 12 Spielen nicht einmal von besonders großer Unfairness zeugen muss, eine Alternativ-Elf aufbieten müssen. Auf EM- und WM-Ebene geht es doch auch: Hier werden nach dem Viertelfinale alle gelben Karten annulliert, so dass man bis zum Finale keine zwei gelben Karten mehr bekommen kann (es gibt da ja bekanntlich keine Hin- und Rückspiele). So ist es meiner Ansicht nach sinnvoll und so muss es auch bei den UEFA-Wettbewerben geregelt werden.
Was mich in diesen Tagen ein bisschen beschäftigt – die Bundesliga tut es nicht mehr – ist das omnipräsente Vertragstheater von und mit Arjen Robben. Stand heute liegt dem Vernehmen nach ein beiderseitig ausgehandelter, unterschriftsreifer Vertrag vor, der eben nur noch unterzeichnet werden muss. Offenbar ist dem schon seit Anfang April so. Eine Zeit lang konnte man sagen: Andere Dinge haben momentan Priorität, es stehen wichtige, entscheidende Spiele in allen Wettbewerben an. Aber jetzt? Ohnehin konnten auch die Verträge von Mario Gomez und Daniel van Buyten in der Zwischenzeit verlängert werden. Die Spieler haben heute allesamt ihre Berater, müssen sich um diese Dinge kaum selbst in einer Ausführlichkeit kümmern, dass es sie vom Spiel- oder Trainingsbetrieb groß ablenken würde. Warum also muss man so ein Drama machen? Wenn seit einem Monat die Entscheidung gefallen ist, dem FC Bayern auch drei weitere Jahre treu bleiben zu wollen, dann kann man die Dinge doch einfach offiziell machen und unterschreiben. Manchmal muss man sich im Hause Robben nicht wundern, wenn die Medien dann und wann Stimmung machen.
Und während man die zahlreichen Artikel rund um dieses Thema liest, sollte man nicht vergessen, dass Robben höchstselbst mit Sicherheit auch kein Kind von Traurigkeit ist: man sah ihn schon seinen Kollegen Philipp Lahm zu Boden stoßen, als dieser es im Training doch wagte, mit vollem Körpereinsatz zu spielen, und man sah Robben im Spiel auch Thomas Müller handgreiflich angehen. Und jetzt ist ein Faustschlag von Franck Ribéry der große Auslöser an allem zu zweifeln? Offenbar wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Ribéry ist nun mal die heilige Kuh des FC Bayern, das muss ihm nicht gefallen, aber er wird es akzeptieren müssen. Der FC Bayern, präziser Jupp Heynckes, muss sich in der Angelegenheit höchstens vorwerfen lassen, so etwas wie Freistöße rund um den gegnerischen Strafraum nicht vorab derart einstudiert zu haben, so dass mit Pfiff des Schiedsrichters eigentlich schon klar ist, wer hier antreten wird. Auf dem Platz den Schützen zu bestimmen, sei es mit »Schnick-Schnack-Schnuck« oder eben Gewalt, ist wenig professionell. Wahrscheinlich hat Robben bei einem Freistoß links vor dem Strafraum ebenso wenig zu suchen, wie Ribéry bei einem auf rechts. Sie schießen ja doch direkt und dann sollte es derjenige tun, der den Ball in diesem Winkel auf dem passenden Fuß hat.
Wie dem auch sei, ich rechne damit, dass Robben den Vertrag bald unterzeichnen wird und diese Posse dann ein Ende hat. Ganz ohne faden Beigeschmack wird das aber womöglich nicht bleiben. Fakt ist, dass die Bayern keinen Flügelspieler bekommen würden, der diese Klasse mit sich bringt und zum FC Bayern wechseln würde. Die Frage, ob Bayern München Arjen Robben überhaupt noch braucht, wurde lange nicht mehr gestellt und sie erübrigte sich ohnehin von Beginn an. Und wenn Robben vom Ansatz her noch so berechenbar ist, an einem guten Tag überwindet er seine zwei, drei Gegner auch mit einer Bewegung, die diese aus dem Effeff kennen und eben trotzdem nichts dagegen ausrichten können. Robben, übernehmen Sie!

02/05/2012 @ 10:55
Robben nervt bestimmt auch, dass man mit DvB dem Bespaßungsfreund von Ribéry verlängert hat, während man damals sich “schnell” und “einfach” von MvB trennte ;-).
Wobei imho ist es eh seit dem Winter so, dass die Medien sehr viel mit und gegen Robben arbeiten. Scheint sonst nicht viel zu geben im schönen München. Zur Zeit.